Freitag, 17. Mai 2013

Kurioses aus den Staaten: Ich traf den stärksten Bibliothekar der Welt

Kurioses aus den Staaten: Ich traf den stärksten Bibliothekar der Welt

Mittwoch Abend fuhr ich nach dem Abendbrot in die Hauptbibliothek zum Etiketten schlitzen. Es müssen ja alle Medien umetikettiert werden, um sie RFID-lesbar zu machen. Ebene 3 (von 5) der Main Library umfasst allein 88.000. Da in Schichten gearbeitet wird, war das in 3,5 Tagen geschafft: Bei jedem Buch manuell das alte Etikett mit einem Cuttermesser zerschneiden, das Buch unter den Scanner schieben, ein neues Etikett ziehen, programmieren, einkleben, Buch wieder ins Regal stellen. Daran arbeiten meistens zwei Leute: einer schlitzt bzw. „slasht“, der andere etikettiert bzw. „tagt“. Ich löste Debbie ab und wurde Josh zugeteilt. Josh klärte mich sogleich darüber auf, dass er das Tourette Syndrom habe. Das heißt, dass er mitunter seltsame Laute von sich gebe. Das war aber nicht das Erstaunlichste an Josh. Josh ist sehr groß und breit – ein Baum von einem Mann. Man sieht auf den ersten Blick das Fitnessstudio. Wir unterhalten uns ein bisschen. Dabei erfahre ich, dass er seit 35 Jahren studierter Bibliothekar an der Salt Lake City Public Library ist, und wie beiläufig erzählt er, dass er gerade auf Lesereise war. Er hat sein Buch vorgestellt. The World's Strongest Librarian. Das sind sozusagen seine Memoiren. Ich erinnerte mich, schon ein Plakat davon gesehen zu haben. Aber als er erzählte, es gäbe schon ein Hörbuch davon, es würde gerade ins Koreanische übersetzt, und die Filmrechte seien schon verkauft, unterstelle ich ihm, dass er mich jetzt auf den Arm nimmt. Doch offenbar nicht. Gerade war er im „People“ Magazine und in der „New York Times“.

Auf Amazon gibt es ein nettes Video von ihm:

Man kann sich sehr gut mit ihm unterhalten und es stellte sich heraus, dass wir die gleichen (amerikanischen) Autoren kennen und lesen und wahrscheinlich die gleichen Autoren auf der Straße erkennen würden. Er hat einen guten Sinn für Humor. Ich werde wahrscheinlich sein Buch ins Deutsche übersetzen ;-) Kleiner Witz, er hat da leider keinen Einfluss drauf.

Nebenbei ist er auch ein Strongman, wirft also Baumstämme umher und so, und würde gern mal an den Original-Highland Games teilnehmen. Ich meinte, ich könne ja super den schottischen Akzent nachahmen (was 3 Wochen Schottland so alles bewirken) :-) Als an seinem Gerät Etikettenstau war, bot ich ihm an, mal zu tauschen, aber er meinte, mit Messern und heißen Dingen sei er aufgrund seiner Krankheit „nicht so gut“. Daran hatte ich gar nicht gedacht. Er hatte zwar zwischendurch immer mal „aufgeschrien“, und zuerst hatte ich mich erschrocken, aber irgendwann merkt man es gar nicht mehr so. Er erzählte mir, was man auch in seinem Buch nachlesen kann, dass er bis vor vier Jahren Mormone war. Damals waren seine Ticks so schlimm, dass er ständig schrie. Davon bekam er regelmäßig Hernien (ein Leistenbruch ist z.B. eine Hernie), sodass er nicht mehr in die Öffentlichkeit gehen konnte, d.h. auch nicht mehr an Gottesdiensten teilnehmen konnte. Er meinte, erst mit diesem räumlichen Abstand konnte er seine Kirche hinterfragen. Das Schreien war so schlimm, dass er sich die Stimmbänder mit Botox lähmen ließ und daraufhin mehrere Jahre nicht sprechen konnte. In der Zeit lernte er auch seine Frau kennen, mit der er einen 5jährigen Sohn hat. Heute kam er mir recht zufrieden vor. Er meinte, wenn er in einer Umgebung ist, in der er sich nicht wohlfühlt, muss er mehr Ticks unterdrücken. Dann sei es umso schlimmer, wenn er dann in einer Umgebung ist, in der er alles rauslassen kann. Das erinnerte mich an Karla. Momentan ist sie nicht wiederzuerkennen, sobald wir aus der Kita raus sind.... Sie zickt mich dann nur noch an und nutzt jeden Anlass zum Schreien und Weinen. Es hat halt jeder seine Ticks – bei dem einen sind sie offensichtlich, bei dem anderen nicht.

Jedenfalls entdeckte er, dass Krafttraining ihm half, seinen Körper besser zu kontrollieren. Das Buch ist quasi seine Erfolgsgeschichte und mehr ist in der Pipeline...

Ich denke, ich werde demnächst sein Buch kaufen und von ihm signieren lassen. Die Zeit verging sehr schnell und ich sann wahrscheinlich noch über alles nach, als ich aus dem Parkhaus falsch auf die vierspurige Straße bog und mich plötzlich mit 4 Spuren Gegenverkehr konfrontiert sah. An der Ausfahrt hatte kein Schild gestanden, dass das Linksabbiegen verbot, und Straßenbeleuchtung ist hier ein Fremdwort. Nun wieder geistesgegenwärtig bog ich schnell auf einen Parkplatz, wendete und fuhr richtig auf die Straße. Gerade nochmal gutgegangen. Der ganze Abend kam mir unwirklich vor. Als ich zuhause ankam, wurde im Radio gerade ein Interview mit dem „gefeierten Autor“ Josh Hanagarne für den nächsten Abend angekündigt...

Kurioses aus den Staaten: Ich traf den stärksten Bibliothekar der Welt

Dienstag, 14. Mai 2013

Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde? Oder unterm Wacholder...

Am Freitag Abend war Grillen mit Frank, Denise und unseren 4 Kindern angesagt. Gegen 19 Uhr stießen noch Thomas' Eltern dazu, die gerade eine 8-stündige Autofahrt vom Lake Tahoe nach Salt Lake hinter sich hatten. Sie hatten viel zu erzählen und der Abend war lauschig. Karla war erst einmal wieder etwas schüchtern, was sich aber bald gab. In der Kita hatte ich schon angekündigt, dass Karla die gesamte nächste Woche nicht kommen würde. Gloria war daraufhin ganz geknickt und rief Karla „I love you“ hinterher. Das hat sie bisher noch nie gemacht...

Samstag früh fuhr ich nach dem gemeinsamen Frühstück in die Hauptbibliothek zur 4-stündigen, bezahlten Mitarbeiterschulung. Nachdem ich gehetzt ankam, weil ich wegen eines entfernten Parkplatzes rennen musste (Parkhaus nicht zugänglich aufgrund eines Laufs gegen Brustkrebs), ließ sich die Schulung nur laaangsam an. Drei Mitarbeiter der Personalabteilung erzählten elf neuen Mitarbeitern stundenlang etwas über die Bibliothek. Den Großteil davon hätte man auf der Homepage lesen können. Das macht zumindest ein Deutscher, der sich bei der Bibliothek auf eine noch so kleine Stelle bewirbt :-) Es gab einen Ordner dazu. Man hätte das auch einfach auf eine Stunde plus Ordner mit einem Mitarbeiter der Personalabteilung kürzen können. Na ja. Wir fingen 20 Minuten zu spät an. Jeder sollte erst einmal sagen, was er auf dem Weg hierher im Autoradio gehört habe. Wer mit dem Rad fuhr, sagte „Verkehrsgeräusche“.... Dann gab es noch eine Runde mit Vorstellung mit Namen und Hobbys. So brachten wir die erste Stunde zu. Dann gab es Selbstbeweihräucherung allererster Güte - und wie glücklich wir uns schätzen konnten, so eine begehrte Stelle ergattert zu haben (aber alles ganz lieb, versteht sich). Dann wurde das „Mission Statement“ der Bibliothek vorgelesen. Dann gab es eine Pause und danach beschäftigten wir uns mit dem Auftrag der Bibliothek. Ich dachte, ich lerne etwas Praktisches über den Umgang mit dem Bibliothekssystem oder so. Nö. Nix dergleichen. Am Ende ging es dann um das Praktischste der ganzen Schulung: Datenschutz und Belästigung am Arbeitsplatz, wozu wir uns noch 20 Minuten Video (VHS!) ansehen mussten. Dann gab es noch eine freiwillige Tour durch die Bibliothek, die nur 15 Minuten dauern sollte. Bis der andere Teilnehmer bereit war, vergingen wieder 30 Minuten und die Führung dauerte auch nochmals 30 Minuten. Damit war ich halb drei zuhause... und war nicht schlauer als vorher. Wobei – ich wusste nun, wie ich aus dem Parkhaus zum Personaleingang kam und wo ich das Rad parken konnte. Und ich bekam meine Park-/Schlüsselkarte.

Am Samstag ging dann nicht mehr viel. Thomas war Mountain Bike gefahren und seine Eltern genossen die stationäre Ruhe nach dem stressigen Herumreisen der letzten drei Wochen. Es war sehr warm. Ich schlug vor, Karlas Pool aufzublasen. Mit unseren beiden Radpumpen bewaffnet, machten sich die Männer „Papa Boma“ und „Opa Warna“ ans Werk und stellten fest, dass das ein gutes Workout sei. „Oma Tine“ und „Mama Sanne“ schauten großteils zu. „Dotta Kala“ verschaffte sich einen Vorgeschmack aufs Planschen unterm Sprenger. Am Abend gab es „Pitta“.

Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde? Oder unterm Wacholder...
Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde? Oder unterm Wacholder...
Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde? Oder unterm Wacholder...

Am Sonntag waren Thomas und ich von Thomas' Kollegen John und dessen Frau Catherine zum Reiten eingeladen. Um 9 Uhr trafen wir sie bei sich und fuhren in die Berge des „Tooele County“ (sprich: Tuäla, ich dachte immer: Tuli). Der Name kommt angeblich aus der Indianersprache der Goshute-Indianer und soll „Bär“ bedeuten. Jedenfalls befindet sich noch heute dort ein großes Indianerreservat.

Exkurs zur Geschichte von Tooele County aus Wikipedia:

Tooele County wurde im Jahre 1852 gegründet. Es haben sich viele Indianer in diesem Gebiet niedergelassen, aber nur der shoshonisch sprechende Goshute-Stamm nahm dieses Gebiet in Besitz und betrachtete es als angestammtes Heimatland. Das traditionelle Territorium der Goshuten befand sich zum größten Teil im modernen Tooele County. Im Jahre 1852 wurden Grantsville, Batesville und Pine Canyon (später Lake View) besiedelt. Im Jahre 1855 wurde die Stadt Richville als Countysitz festgelegt, aber es stellte sich schnell heraus, dass Tooele die größere Stadt war. 1861 wurde Tooele unwiderruflich als Countysitz festgelegt.

General Connor, ein überzeugter Mormonengegner brachte 1864 Truppen in dieses Gebiet. Er war davon überzeugt, dass die Besiedlung in diesem Gebiet mit Minenarbeitern die Vorherrschaft der Mormonen beenden würde. Der Rush-Valley-Minen-Distrikt wurde in den westlichen Oquirrh-Bergen errichtet. Über 100 Claims wurden im ersten Jahr abgesteckt. Zwei neue Minenstädte entstanden: Ophir und Mercur. 1870 lebten mehr als 6.000 Nicht-Mormonen in diesem Gebiet.

Von 1874 bis 1879 haben Nicht-Mormonen (Politiker der Liberalen Partei von Utah) die Kontrolle über die Politik in Tooele übernommen. Es war das erste Mal, dass Nicht-Mormonen die Geschicke des Landes lenkten. Als Folge riefen Sie die Republic Tooele aus.

Der Minenbetrieb ist auch ein wichtiger Bestandteil im 20. Jahrhundert. Das County hat aber auch einen Nutzen von den zwei großen Militärbasen. Die Wendover Air Force Base ist nun geschlossen. Es war das Trainingsgebiet für die Enola-Gay-Crew, welche den ersten Atombombenabwurf 1945 vorbereitet hat. Das Tooele Army Depot (1942 errichtet) beherbergt den größten Teil an biologischen und chemischen Waffen der USA. Über 45 % der ABC-Waffen der USA lagern hier.

Nach einer Stunde Fahrtzeit Richtung Grantsville verluden wir drei Pferde für John, der selbst schon mehrere Jahre nicht mehr geritten war, Thomas, der noch nie auf einem Pferd gesessen hatte und mich, die ich nur wenig Reiterfahrung habe, auf einen Trailer und zogen sie mit einem Pickup noch einige Meilen weiter dorthin, wo Catherine ihre Stute „M&M“ stehen hatte. Dann fuhren wir mit noch einem Ehepaar und mittlerweile zwei Pickups mit Trailern dran eine holprige Straße an den Fuß der Stansbury Mountains. Dort sattelten wir auf. Ich wusste ja, wie man auf das Pferd kommt. Thomas stand davor, noch etwas skeptisch seine Stute „Lucky“ betrachtend, und fragte, wie er darauf komme. Catherines Antwort: Schwing dich einfach hoch, wie deine Frau!“. Er bekam noch gesagt, wie er die Zügel halten muss und wo seine Füße sein müssen, dann war er dem Pferd ausgeliefert. Ich konnte ihm noch sagen, was ich wusste, wie man in die „verschiedenen Gänge schaltet“ usw. Dann trafen wir auf einige Cowboys, denen das Land gehörte, in das wir reiten wollten. Sie waren recht freundlich, weil wir auf Pferden und nicht auf Motorrädern unterwegs waren und also nicht viel Schaden anrichten würden. Währenddessen waren meine „Star“ und Thomas' „Lucky“ ständig in Bewegung und am Fressen. Wir hatte unsere liebe Mühe, sie immer wieder dorthin zu dirigieren, wo wir sie hinhaben wollten. Dann ging es endlich los. Veranschlagt waren 2 Stunden im Sattel. Es wurden 3,5 Stunden!

Am Anfang war noch alles schick. Ein schöner, breiter Weg als Untergrund. Man konnte sich unterhalten. Nicht zu heiß, eine leichte Brise. Dann irgendwann, als wir bergauf ritten, verlor sich der Pfad und Catherine stellte fest, dass sie wohl einen falschen Abzweig gewählt hatte. Was ja an sich auch nicht schlimm gewesen wäre, wenn unser Cowboy Eso nicht darauf bestanden hätte, dass wir uns dann unseren eigenen Trail suchen. Es wurde immer unwegsamer und steiler. Bald schon ritten wir einzeln hintereinander und mussten Pausen für die Tiere einlegen, weil diese vom steilen Anstieg geschafft waren und stark schwitzten. Es wurde immer enger, immer öfter schlugen uns die harten Äste der Wacholderbäume an alle exponierten Körperteile. Es hieß immer öfter Kopf einziehen. Kurz nachdem Eso sich sicher war, dass wir gleich auf einen Trail kommen würden, stießen wir auf einen Stacheldrahtzaun. Spätestens hier hätten wir umkehren sollen. Doch wir ritten hinunter in den trockenen Canyon – steil nach unten durch noch mehr Wacholder. Die Pferde verloren langsam die Geduld mit ihren Reitern. Es hieß oben bleiben und ich war froh über den albernen Helm und die Jeans, die ich trug. Thomas fluchte und verkündete, dass er nie wieder auf ein Pferd steigen würde. Nachdem Eso ein ums andere Mal Äste abbrach, damit wir überhaupt weiterkamen, und unsere Arme schon blutig und unsere Beine blau waren, kamen wir endlich im Flussbett an und hofften, einfach darin aus dem Canyon reiten zu können. Doch leider hatte der einst reißende Fluss große Felsbrocken darin zurückgelassen, die sich nicht ohne Weiteres umreiten ließen. Einige stiegen ab, doch ich fühlte mich auf Stars Rücken noch sicherer als neben ihr. Sie wog immerhin um die 500kg und meine Füße sind schon platt. Ich hatte Vertrauen in Stars Können im Terrain. Anders als die anderen Pferde stolperte sie selten – oder ich merkte es von oben vielleicht einfach nicht. Der Canyon fiel zwar steil, aber seicht ab, und einige Male waren die Pferde der anderen seitlich weggerutscht. Also mussten wir, um die Felsbrocken zu umreiten, erst nach rechts steil hoch reiten und dann dahinter wieder links steil hoch und dann hoffen, dass sich dahinter in besserer Pfad ergeben würde, wenngleich auch dieser noch nicht eben sein würde. Alle waren inzwischen abgestiegen und zum Teil war die Gruppe nicht mehr beieinander. Auch unter den Tieren gibt es eine Hierarchie. Einige Pferde sind bessere Leittiere, weil sie mutiger sind – oder auch vorsichtiger! Wenn ein mutiges Pferd einen Pfad begeht, folgen ihm die anderen bereitwilliger. Wenn ein Pferd Angst hat, irgendwo lang zu reiten, wird der Reiter es nicht dazu zwingen können: You can lead a horse to the water but you can't make it drink. Es ist nun einmal kein Auto – zum Glück. Wir führten also die Tiere am Zügel durch die knorrigen Wacholderbäume. Man muss darauf achten, stets vor dem Tier zu bleiben. Am zu überquerenden Ufer hinter dem Felsen angekommen, wartete ich. Star war jedoch schon unruhig und wollte weiter, den anderen Reitern hinterher, die ihre Tiere am Zügel steil durch das Flussbett hochgeführt hatten. Ich konnte sie nicht beruhigen und merkte, dass es nun hieß, entweder die Stute loslassen oder aufsitzen und im Teufelsgalopp hochreiten. Ich entschied mich für Letzteres. Ich saß auf. Da kamen die anderen: John, Eso und Thomas. Ich presste meine Beine an Stars Flanken und gab ihr einen lockeren Zügel zum Zeichen, dass sie übernehmen konnte. Sie preschte los – und machte einen riesigen Sprung über das Flussbett und geradewegs steil nach oben. Ich beugte mich vor, um ihr ihre Aufgabe zu erleichtern und besser im Sattel zu bleiben. Oben angekommen, hörte ich Eso rufen: Wow, you are a bold person! (Du bist tough!) Ich ritt schnell zu den anderen, da Star in der Gruppe leichter zum Halten zu bringen bzw. zu beruhigen sein würde. Plötzlich kamen die Pferde der drei ohne Reiter hinterdrein. Thomas, John und Eso hatten sich für Variante Nummer 1 entschieden und kamen selbst den Canyon hochgekrabbelt. Danach wurde es tatsächlich besser und bald stießen wir auf den eigentlichen Trail, den wir schnellstmöglich zurück zu den Trailern ritten. Verstaubt, innerlich wie äußerlich, kamen wir gegen 17 Uhr mit teilweise zerrissenen Sachen und völlig zerkratzt zuhause an. Wie sich herausstellte, hatten auch die Tiere einige Blessuren davongetragen und Scott, ein erfahrener Reiter, der mit seiner Frau mitgeritten war, putzte Eso für seine Sturheit nicht umkehren zu wollen, später noch ziemlich herunter, wie John erzählte. Alle waren sich jedoch darüber einig, dass wir uns sehr tapfer geschlagen hatten. Und am nächsten Morgen meinte Thomas dann doch, dass er schon mal wieder reiten würde. Tags darauf arbeitete ich am Nachmittag in der Bibliothek und wurde gefragt, ob ich eine Katze hätte, da ich so zerkratzt sei. Als ich erzählte, ich sei Reiten gewesen, woraufhin vermutet wurde, dass ich vom Pferd gefallen sei. Eben nicht – wer weiß, wie wir dann ausgesehen hätten!

Ich muss gestehen, dass ich zwischendurch schon Angst hatte, dass sich ein spitzer Angst zwischen meine Rippen oder sonstwohin spießen könnte oder ein Ast mich vom Pferd wischt. Aber alles in allem war es doch ein schönes Abenteuer und hat mein Vertrauen in die Tiere eher gestärkt. Auch Thomas' Interesse an Pferden hat zugenommen. Am Montag erzählte er mir in Fakten zur Leistung, wie sich das Herz eines Pferdes von dem eines Menschen unterscheidet. :-) Man kann sich auch für das Gleiche interessieren und dabei trotzdem von völlig unterschiedlichen Dingen fasziniert sein :-)

Hier war noch alles schick - mit Blick auf den Great Salt Lake
Hier war noch alles schick - mit Blick auf den Great Salt Lake
Hier war noch alles schick - mit Blick auf den Great Salt Lake
Hier war noch alles schick - mit Blick auf den Great Salt Lake
Hier war noch alles schick - mit Blick auf den Great Salt Lake
Hier war noch alles schick - mit Blick auf den Great Salt Lake
Hier war noch alles schick - mit Blick auf den Great Salt Lake
Hier war noch alles schick - mit Blick auf den Great Salt Lake

Hier war noch alles schick - mit Blick auf den Great Salt Lake

Zerrissene Hose, zerkratzte Arme, grüner Pferdespeichel
Zerrissene Hose, zerkratzte Arme, grüner Pferdespeichel

Zerrissene Hose, zerkratzte Arme, grüner Pferdespeichel

Montag, 13. Mai 2013

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Hallo ihr Lieben,

heute poste ich nur einmal einige Bilder der vergangenen Woche. Viel ist nicht passiert. Am Freitag Abend trudelten Thomas' Eltern ein. Ein Bericht zum Wochenende mit Reitabenteuer folgt. :-)

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Dienstag, 7. Mai 2013

Brennend heißer Wüstensand... Teil VII

Brennend heißer Wüstensand... Teil VII

Samstag Morgen hieß es Abschied nehmen – von Oma und Opa, vom Urlaub, vom Grand Canyon.

Ein letztes Mal konnte Karla noch mit Opa balancieren. Ein letztes Mal grüßten wir Smokey, den Hüter des Nationalparks. Wir hatten 520 Meilen vor uns... Doch dank einiger Pausen an schönen und weniger schönen Orten, blieb Karla fit und die Zeit ging schnell herum. Zum Glück konnten wir doch noch eine Abkürzung fahren und mussten nicht wieder nach Page zurückgondeln über den Umweg, den wir von dort gekommen waren.

Schon Stunden vor unserer Ankunft grüßte uns der Mount Olympus aus der Ferne. Gegen 19:15 Ortszeit trafen wir endlich zuhause ein. Es gab Pizza. Obwohl Karla im Auto nicht mehr geschlafen hatte als sonst, schlief sie erst gegen 21:30 in ihrem eigenen Bettchen ein. Sie musste sich erst einmal wieder umgewöhnen. Mittlerweile geht sie wieder gegen 19 Uhr ins Bett....

Das war unsere Reise in den Süden Utahs und den Norden Arizonas! Noch Tage später hatten wir den Sand in den Schuhen :-)

Ich hoffe, es hat euch auch gefallen.

Brennend heißer Wüstensand... Teil VII
Brennend heißer Wüstensand... Teil VII
Brennend heißer Wüstensand... Teil VII
Brennend heißer Wüstensand... Teil VII
Brennend heißer Wüstensand... Teil VII
Brennend heißer Wüstensand... Teil VII
Brennend heißer Wüstensand... Teil VII
Brennend heißer Wüstensand... Teil VII
Brennend heißer Wüstensand... Teil VII
Brennend heißer Wüstensand... Teil VII
Brennend heißer Wüstensand... Teil VII
Brennend heißer Wüstensand... Teil VII
Brennend heißer Wüstensand... Teil VII
Brennend heißer Wüstensand... Teil VII

Montag, 6. Mai 2013

Wochenendbericht

Wochenendbericht

Am Samstag stand Thomas gaaanz früh auf – um 3:45! Zum Vergnügen. Für einen Halbmarathon in Provo, über den er gerade noch den Rennbericht schreibt. Es ging wohl nicht so gut, er wurde aber mit 1:16 noch 9. HINTER der ersten „verdammt schnellen“ Frau. Es ging leicht bergab. Doch hier kommt der Läufer doch noch selbst zu Wort:

Die spinnen, die Amerikaner. Ich will nur einen ganz normalen Halbmarathon laufen, um meine Form zu überprüfen. Er sollte also flach sein, nicht zu weit weg und nicht zu teuer. Und zu einer humanen Zeit beginnen.

Das alles zu finden ist hier fast nicht möglich.

Läufe startet fast ausnahmslos zwischen 6 Uhr und 8 Uhr am Morgen. Marathons fast immer 6 Uhr. Wahrscheinlich liegt es daran, dass es im Sommer recht heiß ist, aber das kann ich an diesem Morgen Anfang Mai nicht behaupten. Das Thermometer beim Start sollte -1 Grad anzeigen.

Die zweite Schwierigkeit besteht darin, einen flachen Straßenlauf zu finden. Ihr werdet jetzt denken: Oh, ja. Dort ist es ja so bergig, da wird man immer ganz schön Höhenmeter machen. Höhenmeter machen ist richtig, aber bei Straßenläufen fast immer bergab! Es scheint hier total beliebt zu sein, Teilnehmer mit der Aussicht auf eine neue PB (personal best / persönliche Bestzeit) anzulocken. Es gibt 5 km bergab, 10 km bergab, Halbmarathon bergab, ja sogar einen Marathon bergab mit über 650 Meter Höhenunterschied zwischen Start und Ziel. Neben diesen Straßenläufen gibt es noch Trailläufe auf den Pfaden in den Bergen. Die Zeiten dieser Läufe kann man aber nie miteinander vergleichen.

Samstag, 3:45 Uhr. Der Wecker klingelt. Ich bin ja ein Frühaufsteher, aber wenn noch eine 3 vorne dran steht, hört auch bei mir der Spaß auf. Dank programmierbarer Kaffeemaschine muss ich mich jedoch nur hoch in die Küche schleppen, um mir sofort meinen morgendlichen Koffein-Bolus einzuverleiben. Schnell noch eine Schüssel Müsli, Rucksack packen und auf geht’s nach Provo, ca. 50 min Autofahrt südlich von Salt Lake City. Spätestens 5:30 Uhr muss ich dort sein, weil da der letzte Shuttle-Bus fährt. Wie meistens bin ich etwas spät dran. Übermütig beschleunige ich auf 80 Meilen pro Stunde, bis plötzlich vor mir ein Blaulicht kurz aufblinkt. Schnell wieder auf 65 Meilen abgebremst. Nochmal Glück gehabt. Der Statetrooper ist wohl auch noch etwas müde.

In Provo angekommen kralle ich mir schnell meine Startnummer und meinen Chip und hetze zum vermeintlich letzten Shuttle-Bus. Doch dort stehen noch etliche Läufer, die wohl genauso „spät“ dran sind wie ich. Start ist erst 7 Uhr. Warum also denken die Veranstalter, dass schon jemand 4:30 für den ersten Bus kommt??? In einem überfüllten gelben Schulbus tuckeln wir dann 10 km Richtung Norden und biegen dann rechts in einen Canyon ein. Auf einem Campingplatz werden wir alle rausgelassen. Es ist kalt und ich bin froh, dass ich noch meine Jacke anhabe. Ich schaue mich um. Sieht irgendwie aus als hätten sie die Schüler der lokalen High Schools und Colleges verpflichtet, hier teilzunehmen. Zahlenmäßig dominiert hier nicht der etwas ausgezehrte Läufer mittleren Alters mit Caro-Stirnband, sondern der noch etwas alberne Früh-Twen mit i-Phone und Sonnenbrille. Es ist noch über eine Stunde Zeit. Ich denke mir, da geh ich mich lieber schon warmlaufen statt hier herumzustehen und zu frieren. Da merke ich auch schon, dass ich heute etwas schwere Beine habe, aber besonders viel ausgerechnet habe ich mir ohnehin nicht. Ich weiß auch nicht, wie man sich einen Lauf einteilen soll, der erstmal 8 km nur bergab geht.

Endlich ist es so weit. 7:10 Uhr. Gleich geht’s los. Doch scheinbar haben es die Leute hier nicht so mit der Startzeit. Eine Ewigkeit dauert es, bis die letzten Läufer endlich aus den Dixie Häuschen angetrudelt kommen und sich hinter die gedachte Startlinie stellen. 7:18 Uhr. Start. Es läuft recht gut bergab. Erster Kilometer in 3:26. Zweiter Kilometer in 3:05. Cool! So müsste das immer gehen ;) Doch bereits nach 5 km merke ich, dass Bergablaufen die Quads ganz schön nieder macht. Ich werde langsamer. Außerdem geht es ab km 8 nur noch ganz leicht bergab. Bei km 10 muss ich erstmal meine Jacke ausziehen. Ich liege auf Position 7 oder 8. Doch da kommt plötzlich die erste Frau an mir vorbei gezogen. Ich bin chancenlos. Die zweite Hälfte geht auf der Hauptstraße von Provo schnurgerade bis ins Ziel. Ich rechne mir kurz aus, wie ich weiter laufen müsste, um noch eine neue PB zu erreichen. Scheint möglich zu sein. Also nicht nachlassen und durchziehen! Dank 280 m „Elevation Drop“ schaffe es in 1:16 h ins Ziel, ein Ergebnis, bei dem ich auf einer flachen Strecke Luftsprünge machen würde. Ich bin trotzdem zufrieden, springe ins Auto und fahre nach Hause. Nach einem Wettkampf schon 10 Uhr morgens wieder zu Hause zu sein, ist auch nicht schlecht :-)

Karla und ich schliefen derweil bis um 8 Uhr aus! Wir frühstückten in Ruhe und gingen dann zum Spielplatz. Der Papa war dann gegen 10 Uhr wieder da. Ich schwang mich aufs Rennrad und fuhr den Big Mountain hoch. Oh, das war windig. Aber wenn man kleiner ist, hat man offenbar einen Vorteil im Wind. Jedenfalls hab ich die meisten überholt. Einer wollte es wohl nicht auf sich sitzen lassen. Er überholte mich wieder mit den Worten „Nice Pace“ (Nettes Tempo!). Wir überholten uns einige Male gegenseitig, bis ich merkte,dass ich alle war. Ich hätte vor dem Losfahren noch eine Kleinigkeit essen sollen. Am Big Mountain Summit angekommen, knurrte mir ordentlich der Magen und ich überlegte, ob ich Thomas anrufen und ihn fragen sollte, was es zum „Mittag“ gab. :-) Endlich war ich nach über 2,5 Stunden wieder unten und Thomas machte Eierkuchen! Yippieh! Das war wohl Gedankenübertragung. Karla war auch begeistert: Papa, Ei Ku, ja!

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Danach fuhren wir noch mit Karla ins Schwimmbad. Sie musste eine Schwimmwindel und darüber noch eine Plastikbadehose tragen. Karla fand's toll im Wasser. Das Wasser war schön warm und sie konnte teilweise sogar stehen. Auf Zuruf fing sie ordentlich an zu strampeln und bewies eine gute Wasserlage. Sogar die kleine Wasserrutsche traute sie sich runter und obwohl sie voll mit dem Kopf im Wasser landete, bevor der bereitstehende Papa sie auffangen konnte, weinte sie nicht und wollte später noch einmal das Kamikaze-Ding hinunter. Plötzlich jedoch pfiff die Bademeisterin und meinte, alle unter 18 Jahren müssten aus dem Wasser: Zwangs-Pinkelpause! Echt, da haben wir nicht schlecht geguckt und erst überlegt, ob das ein Witz ist bzw. ob wir das richtig verstanden haben. Auch Karla musste trotz zweifacher Windel raus. Das fand sie gar nicht witzig! Sie wurde auch nochmals ermahnt, als sie immer noch am Beckenrand war (It's just our policy! So sind nun mal unsere Regeln!) Nach 5 Minuten, in denen bestimmt kaum einer auf der Toilette war, ging es weiter. Die Uhr lief weiter. Ich glaube, die machen das alle halbe Stunde, weil mal einer in den Pool gekackt hatte und der musste dann gesperrt werden. Mir erscheint das dennoch nicht als logische Maßnahme. Thomas dazu: Früher hat bei uns auch immer mal einer in den Pool gekackt und das schwamm dann so rum. Da kam der Bademeister mit dem Käscher, hat's rausgefischt und weiter ging's:-) So war das im Osten!

Die Umziehprozedur danach, wenn man mit Karla alleine ist, geht allerdings gar nicht. Zumal Karla kurz zuvor noch gegen eine sich öffnende Tür gerannt und dadurch eh schon gut gelaunt war. Zu zweit mit Karla unter der Dusche, geht nicht. Sie will zu Papa. Karla in Ruhe abtrocknen, geht nicht. Sie will zu Papa. Karla in Ruhe umziehen, geht nicht. Sie will zu Papa. Sich selber in Ruhe duschen, abtrocknen, anziehen, geht nicht. Ich will zu Papa. Die beiden Familienumkleiden waren leider besetzt. Hinter der Tür unserer Umkleide wartete dann aber der Papa und alle waren glücklich.

Zuhause angekommen, gab es noch Abendbrot (Spaghetti Napoli) und das Bettchen für Karla. Thomas und ich arbeiteten noch wie immer am PC...

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Am Sonntag hätten wir ausschlafen können, wenn Karla nicht schon 6:40 Uhr aufgewacht wäre. Na ja, so hat man wenigstens was vom Tag. Es gab ein gemeinsames Frühstück und danach guckten wir mal in die Kiste – keiner online zum Skypen. Na gut, also fuhren wir zum City Creek, wo ich mich auf diverse Trails begab und 1:15 Stunde bergauf, bergab lief. Mit wunderbaren Aussichten und teilweise auf allen Vieren, weil es so steil und vor allem unwegsam war! Momentan sind Thomas und ich lauftechnisch von Kilian Jornet Burgada inspiriert. Der läuft mal eben aus der Stadt los, den Mont Blanc hoch in 6 Stunden, oder auf den Kilimandscharo rauf und wieder runter in 7 Stunden... Doch am meisten an ihm beeindruckt mich seine Psyche, die Auffassung vom Leben und der Natur.

Thomas ging derweil mit Karla spazieren. Nicht ganz so gefährlich wie Skyrunning :-)

Nach dem Mittagessen ging Karla für zwei Stunden ins Bett und Thomas aufs Mountain Bike, ebenfalls im City Creek. Leider mussten wir ihn mit gerissener Kette auf halbem Wege abholen.... Dann waren wir noch auf dem Sugar House Spielplatz und den Rest des Tages verbrachte ich nach dem Abendbrot mit Unkraut jäten, einkaufen und Blogeinträgen, während Thomas am PC arbeitete.

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