Sonntag, 10. Februar 2013

Air France schädigt Walmart

Air France schädigt Walmart

Am Freitag nach Arbeit und Hausputz fuhr ich in den Walmart-Supermarkt, unter anderem um Zutaten für Franks Geburtstagskuchen zu kaufen, der 3 Tage nach Thomas seinen 47. Geburtstag hatte. Wir wollten Thomas’ und seinen Geburtstag bei ihnen mit Kuchen und Abendessen feiern. Karla war noch in der Kita und so hatte ich Zeit….

Walmart – unendliche Weiten billiger Lebensmittel, die schon tausende Kunden vor mir ausgecheckt haben. Mir fiel mal wieder auf, dass man unendlich viele hoch verarbeitete Produkte kaufen kann, aber einfach nur Grieß oder Marzipanrohmasse oder Mohn. Nein, das gibt es nicht. Wenn man Mohn zum Backen haben will, muss man eine Mohn-Kuchenfüllung kaufen, die natürlich Maissirup enthält. Nicht nur, dass Maissirup die Masse schon so süß macht, dass man den gesamten Zucker aus dem Rest des Rezeptes streichen kann, nein, er steht auch noch im Verdacht Diabetes auszulösen. Wahrscheinlich nicht, wenn in geringen Mengen konsumiert, aber wenn man hier nicht aufpasst, ist man schnell bei ansehnlichen Mengen: in der Marmelade ist er fast immer enthalten, in Müsliriegeln häufig, in Joghurt usw.

Als ich dann endlich alles gefunden hatte, strebte ich der Selbstbedienungskasse zu, da ich so vermeiden konnte, ungefähr genauso viele Plastiktüten zu bekommen wie gekaufte Artikel. An der Selbstbedienungskasse zieht man jeden Artikel selbst durch und stellt ihn dann auf die daneben befindliche Ablage, die gleichzeitig als Waage fungiert. Dadurch kontrolliert das System dann, ob man wirklich nur das hinstellt, was man durchgezogen hat. Allerdings muss man bei alten Waagen häufig doch auf einen Mitarbeiter warten, weil die Waage eben spinnt („Unknown item in the bagging area. Please wait for assistance.“). Und dann ist die ganze Zeitersparnis dahin. Gezahlt wird hier fast alles mit Karte. Die zieht man an der Selbstbedienungskasse einfach selbst durch und gibt die PIN ein. So wollte ich das auch an diesem Freitag im Walmart machen. Doch leider wurde meine Karte mehrmals abgelehnt. Dann kam auch schon eine Mitarbeiterin an. Ich probierte noch die Kreditkartenfunktion aus – ging auch nicht. Eine andere Mitarbeiterin probierte sich aus. Ging nicht. Dann ging ich zum Geldautomaten, um die 60 Dollar mit Bargeld zu zahlen. Der gab mir auch kein Geld, sondern wollte mir weismachen, meine PIN sei falsch. Dann bot mir die Walmart-Mitarbeiterin mit den längsten Fingernägeln der Welt an, meine Bank anzurufen, da diese das Problem häufig sofort beheben können. Insgeheim überlegte ich fieberhaft, was das Problem sein könnte. Überzogen konnte unser Konto nicht sein. Meine PIN hatte ich auch richtig eingegeben. Alles, was mir einfiel, war ein Kartenlesefehler. Ich wollte Thomas anrufen, doch mein Handy zeigte keinen Empfang an. Ich sagte ihr, dass mein Mann der Hauptkontoinhaber sei und ich nicht einmal einen Kontoauszug bekomme und ich daher bezweifle, dass man mit mir redet. Tatsächlich hieß es von einer automatischen Stimme am anderen Ende dann auch, dass mein Konto anhand der Kartennummer nicht gefunden werden konnte. Die Mitarbeiterin suchte über ihr iPhone eine Nummer, heraus, die mich mit einem Menschen reden lassen sollte. Und tatsächlich. David fand das Konto und nachdem ich ihm meine Situation klargemacht hatte (ich stehe mit schmelzender Eiskrem im Walmart und kann nicht zahlen), gab er sich alle Mühe herauszufinden, was das Problem ist. Während ich noch in der Warteschleife mit Werbung für unsere Bank hing, ging das Licht aus. Schon beeindruckend, so ein stockdunkler riesiger Walmart und das ängstliche Raunen der Einkäufer und genervte Stöhnen der Mitarbeiter, das durch die Weiten des Raums geht. Ich dachte nur, oh nein, jetzt ist die Leitung tot. War aber zum Glück nicht so. Jemand rief: Haben wir die Stromrechnung bezahlt? Niemand lachte. Ein anderer rief: Schließt die Türen, damit die Kunden nicht abhauen. Ich sagte laut, hey, das ist meine Chance, oder?! Dann ging das Licht auch schon wieder an. Das Ganze passierte ungefähr drei Mal und dann hatte David am anderen Ende herausgefunden, was mit unserem Konto los ist.

Es sei überzogen, wir seien ca. 1000 Dollar in den Miesen. Wie bitte? Das kann nicht sein. Er fragte, ob ich Flüge über Air France gebucht hätte. Ich erinnerte mich, dass Thomas diese Woche unsere Flüge nach Deutschland gebucht hatte, aber extra darauf geachtet hatte, dass genug Geld auf dem Konto ist. Es stellte sich heraus, dass Air France statt 2 Flügen noch einen weiteren abgebucht hatte. Auf mein Geheiß buchte er einen zurück, meinte aber, dass noch bis heute Abend um halb 10 eine Sperre auf dem Betrag läge. Ich fragte, ob ich das richtig verstanden hätte, dass ich jetzt deswegen, alle Einkäufe zurückgeben müsste? Er verband mich daraufhin noch einmal mit einem Vorgesetzten, der mir aber auch nicht helfen konnte. Also legte ich dankend auf und schob meine Einkäufe gen nächster Mitarbeiterin, die sich entschuldigte (wofür?) und sogleich begann, alles wieder zurückzutragen. Draußen hatte es inzwischen angefangen zu schneien. Aber ich hatte wieder Empfang und erzählte Thomas alles. Der meinte, er habe sich schon gewundert, warum er nach der Flugbuchung das Hotel in London und bei Starbucks seinen Kaffee für 2 Dollar nicht mit Karte hatte bezahlen können. Er hätte jetzt noch 40 Dollar in bar. Wir machten aus, dass einer von uns heute Abend wenigstens noch die Kuchenzutaten kaufen würde. Ich fuhr zurück und auf dem Weg rief Thomas an und meinte, die Bank hätte sich gemeldet, dass sie die Sperre jetzt doch haben aufheben können. Also fuhr ich gleich noch in einen anderen Supermarkt auf dem Weg. Eigentlich hatte ich an diesem Tag noch das Auto zum anstehenden Ölwechsel bringen wollen und war froh, dass ich erst in den Supermarkt gefahren war. Denn dort hätte ich nach Erbringung der Dienstleistung nicht bezahlen, aber das Öl ja auch nicht einfach zurückgeben können. Und was hätte ich dann gemacht? Karla als Pfand da lassen? ;-) Oder wenn uns das auf dem Weg zwischen Utah und Idaho „in the Middle of Nowhere“ mit leerem Tank passiert?

So etwas, hieß es von der Bank, passiere hier öfter. Gerne seitens der Fluglinien. Ist das in Deutschland auch so? Jedenfalls habe ich jetzt immer auch etwas Bargeld dabei…

Air France schädigt Walmart

Mittwoch, 6. Februar 2013

Immer wieder dienstags: Karla in der Little Gym

Come on, my Birdies, shake your shakers - Eröffnungslied mit Rasseln und Rolle vorwärts!

Come on, my Birdies, shake your shakers - Eröffnungslied mit Rasseln und Rolle vorwärts!

Häschen in der Grube

Häschen in der Grube

Karla ringt mit ihrem Gewicht
Karla ringt mit ihrem Gewicht
Karla ringt mit ihrem Gewicht
Karla ringt mit ihrem Gewicht

Karla ringt mit ihrem Gewicht

Karla schüttelt ihr Haupthaar für uns

Karla schüttelt ihr Haupthaar für uns

Popelpause

Popelpause

Alle Nudeln wieder einräumen! Clean-up is part of play!

Alle Nudeln wieder einräumen! Clean-up is part of play!

Der Thomas is(s)t jetzt 30!

Der Thomas is(s)t jetzt 30!

Am Montag morgen hatte sich Thomas psychisch wieder von seinem traumatischen Downhill-Rennen erholt und wurde zum Frühstück gleich mit Gratulation von Karla und mir sowie aufgetauten Bagels begrüßt (nach dem Aufwachen geht ja nicht, weil Thomas meistens mitten in der Nacht aufsteht, um zu joggen). Wenn das nichts ist, oder?

Geschenke gab es dann aber erst nach dem Heimkommen um halb 6. Da bekam er auch ein Ständchen, auch wenn Karla eher verhalten mit einstimmte. Leider war der Tag etwas überschattet von negativen Nachrichten aus Deutschland. In Leipzig war seit September Post vom Leipziger Finanzamt aufgelaufen, in der meine Umsatzsteuererklärung für 2011 gefordert und mein Versäumnis schon mit 200 Euro Geldstrafe belegt worden war – mit Aussicht auf eine noch höhere Strafe. Im August hatte ich unsere Einkommensteuererklärung an das nun für uns zuständige Finanzamt in Plauen gesendet. Es stellte sich heraus, dass deren Information lautete, dass Thomas noch in Leipzig gemeldet ist, obwohl wir uns zusammen nach Klingenthal umgemeldet hatten. Mir hat man in dem Zuge gleich aber mal Thomas' Familiennamen gegeben. Also ging man beim Finanzamt Plauen davon aus, dass wir noch in Leipzig wohnen – obwohl ich unsere Adresse in der Erklärung angegeben habe!!! Das wäre ja nun auch alles kein Problem, wenn das Amt in Leipzig nicht seinen eigenen Zustelldienst hätte und somit ein Nachsendeauftrag gar nichts nutzt.

Dank Mutti Christines schneller Reaktion und diplomatischem Geschick hat man in Leipzig freundlich reagiert und eingesehen, dass unsere späte Rückmeldung nicht unser Verschulden war. Geldstrafe aufgehoben. Nur musste ich dann eben noch an Thomas' Geburtstag meine Umsatzsteuererklärung machen und freundliche Schreiben verfassen... Aber unsere Einkommensteuererklärung ist natürlich immernoch nicht bearbeitet und wieder auf dem Weg nach Plauen.

Von mir gab es zum Geburtstag: Geschirr fürs Büro, eine lange Windstopperunterhose, ein nahezu deutsches Müsli und eine selbst verzierte Torte, und von Karla eine musikalische Glückwunschkarte. Im Übrigen war Thomas' Kommentar am Tag nach dem 30. Geburtstag: War gar nicht so schlimm. Hab mich schon dran gewöhnt.

Na, wart es mal ab. Ein Tag macht noch keine 30 Jahre...

Der Thomas is(s)t jetzt 30!
Der Thomas is(s)t jetzt 30!

Dienstag, 5. Februar 2013

Drei im Wilden Westen

Drei im Wilden Westen

Am Freitag nach Arbeit und Skilaufen auf mehligem Schnee ging es los. Das Auto war vollgepackt mit Ski für Thomas' Wettkampf in Ketchum, Sun Valley, und Karlas Notwendigkeiten und meinen Wenigkeiten. Um 3 Uhr verließen wir die Stadt gen Hagerman, wo meine Cousine Evelyn und ihr Mann Joe uns schon erwarteten. Karla schlief zwar auf den 4 Stunden Fahrt nicht, aber hielt auch ganz gut durch. Das lag natürlich unter anderem an unserer Bespaßung durch Essen und Musik sowie eine kurze Pause wortwörtlich im Nirgendwo.

„In the Middle of Nowhere“ hieß die Tankstelle, an der die Alpacas Zuni und Sam grasten und der Tankstellenbesitzer ein ganz ein lustiger Kerl mit einer Vorliebe für den Wilden Westen sein musste. Man beachte den durchaus patentreifen Schließmechanismus der Toilettentür bzw. Outhouse-Tür. Karla nahm schon einmal am Steuer Platz und überraschte uns im Laden mit ihrem 4. oder 5. Wort auf Englisch: Cooky! War klar, oder?! Statt Keksen gab es dann Käse und Brot. Und nach einem Blümchenkaffee ging es unter einem farbenfrohen Abendhimmel weiter über den Klapperschlangenpass gen Sandsturmgebiet Idaho. Um 7 waren wir endlich da und Evelyn und Joe erwarteten uns bereits mit einem opulenten Abendessen mit eigenem Rinderfleisch, Nudeln und selbstgemachten Humus (der aus Kichererbsen!) und Pesto. Karla war erst noch ganz aufgedreht, fand aber dann schnell ins Reisebett.

Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen

Herr Rossi sucht sein Glück

Am nächsten Morgen war Thomas bereits um 5 Uhr aufgestanden, um als frischgebackenes Mitglied des US-Rossignol Teams bei dichtem Nebel nach Ketchum (Sun Valley) bzw. zum Start der Boulder Mountain Tour zu fahren. Den Rest der Geschichte erzählt er euch selbst:

Ich dachte, es sollte mein Tag werden: Ein 32 km Skating-Rennen mit einem Höhenunterschied von über 300m zwischen Start (oben) und Ziel (unten). Ein Downhill-Rennen also. Doch irgendwie war es dann doch nicht ganz mein Tag. Es ging schon damit los, dass mein morgendlicher Kaffee nur die halbe Koffeinmenge hatte und ich auf stockdunkler Straße und bei Nebel und einem Highway, auf dem alle 5 Meilen mal eine Kurve kommt, im Auto fast wieder einschlafen wollte. Dies führte mir mal wieder zum einen die Ausdehnung und Verlassenheit mancher Gegenden der USA vor Augen; zum anderen meine Koffeinabhängigkeit. Irgendwo zwischen Shoshone (sprich: schoschoni) und Ketchum erblickte ich eine Tankstelle, wo ich mir noch schnell einen Becher Kaffee (diesmal mit normal Koffein) und einen Muffin holte. Als ich dann endlich in Ketchum ankam und mein Auto auf dem Parkplatz der Hemingway Elementary School stationiert hatte, hatte der Kaffee seine volle harntreibende Wirkung entfaltet. Büsche oder Bäume waren nicht in Sicht. Die Elementary School war leider geschlossen. Und nachdem ich 10 min durch Ketchum gerannt war, um festzustellen, dass die nächstgelegene Tanke nur einen Restroom für Angestellte hatte, musste ich mit Blick auf die Uhr meine Notdurftverrichtung auf später verschieben und stieg in einen der Shuttle-Busse, die die Teilnehmer zum Start bei Galena brachten (ca. 2400 m Höhe). Auf dem Weg dorthin wurden wir mit schottisch klingender Volksmusik beschallt und bei jedem Schlagloch meldete sich meine Blase. Aber das Wetter war schön, und dass sich Hemingway in Ketchum umgebracht hat, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Nach 30 min Fahrt entstieg ich dem Bus und war froh die Toilettenhäuschen zu sehen (hier manchmal auch liebevoll honey bucket, also Honigeimer, genannt). Gleich danach traf ich Paul, von dem ich einen neuen Rennanzug und eine Weste bekam. Meine Taktik war klar: Ich musste irgendwie auf den ersten 10 km an der Spitze dran bleiben, um dann auf der zweiten, abschüssigen Hälfte des Rennens meine Schwungmasse auszuspielen. Diese Taktik ging auch bis Kilometer 8 auf, doch irgendein Idiot musste die Berge immer hochsprinten und alle anderen hinterher. Dass der Laktatabbau bei wenig Sauerstoff verzögert ist, konnte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch ignorieren, aber dann hieß es leider Abschied nehmen von der ersten großen Gruppe. Die zweite Hälfte verlief dann sehr geschmeidig und ich konnte sogar mal kurz die Landschaft genießen. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei und werde meine Streckenkenntnis ausspielen! ;-)

Im Bus zum Parkplatz traf Thomas übrigens nach dem Rennen noch einen Teilnehmer, der mal Nordisch Kombinierter war, also Skisprung und Langlauf zusammen betrieben hat. Der erzählte ihm, dass er schon einige Male in Thomas' Heimatort Klingenthal zu Training und Wettkämpfen war. Ist die Welt nicht klein?

Hier ist noch ein Video der Führungsgruppe gegen Ende des Wettkampfs, als Thomas leider nicht mehr mit dran war:

Drei im Wilden Westen

Zurück bei Ziege, Pferd und Huhn

Währenddessen schliefen Karla und ich bis 7:30 aus. Ach, war das schön. Das macht Karla jetzt an den Wochenenden meistens. Evelyn hatte uns French Toast (Französischen Toast) gemacht. Das ist Toast in einer großzügigen Rühreimischung gebraten. Ich glaube, in Frankreich würde das keiner essen, aber es ist lecker. Darauf strichen wir Marmelade von von Evelyn selbst gesammelten Blaubeeren und Apple und Peach Butter (auch wie Marmelade) von Früchten aus ihrem Garten. Dann ging es raus an die sehr frische Luft zum Tiere füttern. Zuerst waren die Ziegen an der Reihe. Karla wollte erst nicht mit ins Gehege kommen und ich musste sie auf den Arm nehmen. Doch so nach ein paar Minuten traute sie sich auf den Boden, blieb aber immer schön an meiner Hand. Was verständlich ist, denn die Fleischziegen sind größer als Karla, haben Hörner und machen laute Geräusche. Außerdem können sie einen schon einmal rüde anrempeln, vor allem wenn es ums Essen geht. Wir durften beim Böcke impfen zusehen und ein wenig assistieren. Joe und Evelyn hatten sie in einem kleinen Pferch zusammengetrieben, bis auf 2, die sich nicht einfangen ließen. Hütehund Pete war nun damit beschäftigt, die beiden in dem Vorgehege zum Pferch zusammenzuhalten. In dem Gehege standen auch wir. Daher musste der arme Pete sie nun nicht nur zusammenhalten, sondern auch noch dafür sorgen, dass sie uns nicht zu nahe kamen. Glücklicherweise hatten sie aber sowieso mehr Interesse an dem frischen Gras, denn an uns. Als es dann an die Pediküre der armen Viecher ging, wurde Karla langsam müde und wir verzogen uns nach drinnen für ein frühes Mittagessen. Karla schlief ohne Proteste allein ein und wachte wie fast immer nach einer Stunde wieder auf. Dann ging es raus zur Feuerstelle und zum Zelt. Zelte fand Karla schon immer faszinierend und sie zog gleich die Schuhe aus und wollte gar nicht mehr heraus. Ihre ersten Schritte machte sie aus einem Zelt heraus, mit etwa 11 Monaten. Pferde und Hühner findet Karla dagegen nicht so spannend und ein bisschen angsteinflößend.

Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen

Von Fossilien und anderen Überbleibseln

Am Nachmittag war dann der geschaffte und etwas enttäuschte Thomas wieder da (nur 34. von über 700 Teilnehmern, 6 Minuten hinter dem Sieger). Es gab erst einmal wieder etwas zu essen und dann fuhren wir zu fünft zu den Fossilienfundstellen des Hagerman-Wildpferdes gleich im die Ecke und zu den Überresten des Oregon-Trails. Die 200 dort geborgenen Skelette dieses Pferdes sollen etwa vier Millionen Jahre alt sein. Dabei handelt es sich um eine ausgestorbene Gattung, das Plesippus shoshonensis, bzw. ein Urpferd, das nun auch Wappenfossil Idahos ist. Der Oregon-Trail ist der Weg, den die Siedler Mitte des 19. Jahrhunderts von Osten nach Westen wanderten, auf der Suche nach Glück und einem besseren Leben. 3.500 Kilometer, für manche war der Weg auch 8.000 Kilometer lang, je nachdem, woher man kam und wohin man ging. Insgesamt sollen zwischen 1834 und 1860 rund 300.000 Menschen darauf unterwegs gewesen sein. Zu Fuß, mit Wagen, Pferden, Vieh, Kindern - quasi allem Hab und Gut... Mit wie viel davon sie ankamen, wenn sie ankamen, kann man nur erahnen. Sie "reisten" bei Wind und Wetter. Wenn sie Pech hatten, holte der Winter sie ein oder die Hitze des Sommers quälte sie in den Wüsten Utahs und Idahos. Und dann gab es ja noch Indianer und sonstige Banditen... Der Boden in Idaho ist so weich, dass man noch heute sehen kann, wo sich die Wagentreks entlang gequält haben. Unglaublich, sich das vorzustellen. Noch unglaublicher: Gleich daran schließt sich eine asphaltierte Straße an, die in ihrer Trägheit die Missgeschicke der Pioniere durch Umwegsamkeiten zu verhöhnen scheint. Wer mehr erfahren will, kann hier nachlesen:

Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Der Oregon Trail. Auf dem von mir aufgenommenen Foto oben sieht man noch die Wagenspuren, die in die heutige Straße übergehen.
Der Oregon Trail. Auf dem von mir aufgenommenen Foto oben sieht man noch die Wagenspuren, die in die heutige Straße übergehen.

Der Oregon Trail. Auf dem von mir aufgenommenen Foto oben sieht man noch die Wagenspuren, die in die heutige Straße übergehen.

Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen

Phil, das Waldmurmeltier

Außerdem war Groundhog Day. Dabei steht ein kleines Waldmurmeltier namens Phil im Rampenlicht, das am Tag von Mariä Lichtmess aus seinem Erdloch hervorlugt, um dann entweder den Frühling zu verkünden oder weitere 6 Wochen Winter, sollte er durch seinen eigenen Schatten verschreckt wieder in die Höhle zurückkriechen. Dieser Brauch geht wohl auf deutsche Einwanderer zurück, die sich in Pennsylvania angesiedelt hatten. Demzufolge ist der Winter für dieses Jahr zu Ende. Wir hoffen, aber dass Phil sich irrt. Seine und die Trefferquote seiner Vorgänger-Vorherseher liegt bei 37 %... Wir können also hoffen.

Drei im Wilden Westen

Geschichten am Lagerfeuer

Am Abend entfachte Joe an der Feuerstelle auf der Ranch ein Lagerfeuer und wir hielten auf Stücken aufgespießte Marshmallows ins Feuer. Diese schmeckten wie warme Zuckerwatte – sehr lecker, auch wenn man kein Zuckerwatte-Fan ist. Sie bestehen auch fast nur aus Zucker. Ursprünglich allerdings war die Grundzutat das Sekret einer malvenartigen Pflanze, dem Eibisch. Und sie diente auch nicht dem Genuss, sondern medizinischen Zwecken, wird Eibisch doch eine entzündungshemmende und immunstabilisierende Wirkung nachgesagt, besonders im Mund- und Rachenraum sowie in Magen und Darm. Erst die Franzosen kamen auf die Idee Marshmallows unter einem anderen Namen natürlich in ihre „Cuisine“ einzuführen. Ich muss gestehen, ein geröstetes Marshmallow hat auch nicht wenig Ähnlichkeit mit dem Michelin-Männchen.

Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen

Wir lachten viel und sammelten, wie auch schon seit Evelyns Besuch bei uns, deutsche Sprichwörter. Dabei viel mir auf, wie selten man noch geflügelte Worte, Sprichwörter und Redewendungen benutzt. Evelyn kennt noch einige von ihrer Mutter. Ihr Lieblingsausspruch ist: Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt. Evelyn und Joe erzählten Geschichten aus ihrer Vergangenheit, wie Evelyn mit ihrem Pferd als Jugendliche im Treibsand steckenblieb, wie Joe mit seinen Söhnen nach der Elchjagd draußen bei Eiseskälte ohne Zelt oder Jacke übernachten mussten. Wir fühlten uns wie im Wilden Westen, als Pete dann auch noch loshetzte und vielleicht ein wildes Tier verjagte, um sich treu gleich wieder neben mir niederzulassen.

Evelyn ist natürlich keine direkte Cousine von mir. Eigentlich sind wir nicht einmal blutsverwandt. Ihre Mutter war die Schwester der Schwägerin meines Großvaters mütterlicherseits. Alles klar?

Jedenfalls ist ihre Familie vor der Familie meines Großonkels (des Bruders meines Opas) zuerst nach Kanada und später in die USA ausgewandert. Bis sie 7 Jahre alt war, lebte Evelyn mit ihren Eltern und drei Geschwistern in Montreal und sprach Deutsch, Englisch und Französisch. Dann zogen sie nach Kalifornien und nun lebt sie schon etliche Jahre in Idaho. Kein untypischer amerikanischer Lebenslauf.

Und dann war das Wochenende auch schon wieder vorbei. Ich wäre gern geritten, aber der Boden ist noch gefroren und Joe und Evelyn hatten Angst, dass ich mir etwas brechen könnte, falls ich vom Pferd fallen würde. Na ja, der Frühling hat ja laut Waldmurmeltier Phil schon begonnen. Am nächsten Morgen packten wir Karla wieder ein und machten uns auf den Rückweg in unser Stadthaus ohne einen so wunderbaren Holzofen und frische Luft... Dafür aber auch ohne Ziegenkacke. Es hat eben alles seine Vor- und Nachteile :-)

Drei im Wilden Westen
Drei im Wilden Westen