Sonntag, 13. Januar 2013

Von Vorgarten-Rehen, Loipen-Elchen und Pisten-Renntieren

Von Vorgarten-Rehen, Loipen-Elchen und Pisten-Renntieren

Als am Freitag so viel Schnee fiel, dass unser festgefrorenes Weihnachtsreh im Vorgarten im Schnee versank, packte mich die Lust aufs Langlaufen und so packte ich nach der Arbeit die Klassik- und Skating-Ski ein und fuhr nach Moutain Dell. Für die Strecke, für die ich normalerweise 15 min brauche, brauchte ich an diesem Tag doppelt so lange. Die Straßen waren nach dem Räumen teilweise schon wieder zugeschneit. Denise war an diesem Tag auf dem Weg zum Kindergarten mit ihrem Van ohne Allrad beim Wenden im Schnee steckengeblieben und musste von drei jungen Kerlen herausgezogen werden. Sie meinte, das hätte doch in Deutschland keiner gemacht, aber ich denke, es gibt in Deutschland nicht nur Meckerer. Jedenfalls war Mountain Dell menschenleer – bis auf mich und 3 andere Skiläufer und die Skidoo-Fahrer unseres Skivereins, die mit dem Walzen des Schnees nicht hinterherkamen. Zu allem Überfluss mussten sie ständig anhalten, weil die Rillen der Walze schnell wieder mit Schnee verstopften. Glücklicherweise hatte ich mich gleich auf dem Parkplatz für die Skating-Ski entschieden. Klassisch wäre gar nicht gegangen. So musste ich in der Eiseskälte nicht mehr die Ski wechseln. Trotzdem: Es war schwer! Die Creek-Runde war mit einer wunderbaren Stille erfüllt. Nur der weiche Schnee war zu hören, der gerecht auf alles lebendig und nicht lebendig Ding fiel. Dann sah ich auf die andere Seite des zugefrorenen Flussbettes hinüber. Da stolzierte ein Moose mit seinem Kalb majestätisch durch den Schnee und verschwand im nächsten Moment im Unterholz. Wie schwer muss es für diese Tiere sein, durch den Winter zu kommen. Der Moose war schon einige Mal in den letzten Wochen in den Loipen gesichtet worden. Auch Thomas hatte schon mehrmals das Vergnügen. Dabei muss man sehr vorsichtig sein, dem Tier nicht zu nahe zu kommen, denn mit einem Kalb und unter diesen unwirtlichen Bedingungen, ist es durchaus möglich, dass es angreift – und es kann schnell sein. So hat Chris von unserem Skiverein TUNA Folgendes dazu geschrieben:

Auf dem Rückweg waren die Straßenverhältnisse noch widriger. Noch immer standen die Chain up-Areas voll mit Trucks, auf die die Fahrer gerade Schneeketten aufzogen. Am nächsten Tag sollte es noch weiter in den Parleys Canyon zum „Learn to Ski Program for Utah Residents“ gehen...

Von Vorgarten-Rehen, Loipen-Elchen und Pisten-Renntieren
Von Vorgarten-Rehen, Loipen-Elchen und Pisten-Renntieren

Mein erstes Mal auf Abfahrtsski

Aubrey wollte fahren, doch nachdem nun dieser erneute Wintereinbruch kam und sie erst vor nicht allzu langer Zeit einen Unfall auf einer vereisten Straße hatte, hatte sie nun verständlicherweise etwas Angst zu fahren. Also fuhr ich. Karla war mit Thomas zuhause, Frank mit Emma, Claire und Bruno. Aubrey nahm ihren 4-jährigen Sohn Sam mit, der wie ich zum erstem Mal auf Abfahrtsski stehen sollte. Sam kam in die Kindergruppe, zu den „Katzen“. Wir kamen nach Anmeldung, Ski-, Stock- und Schuhausleihe, Abfragung unserer Vorkenntnisse mit dem Lift eine Ebene höher, zur Red Pine Lodge. Denise war schon einige Male gefahren, hatte eigene Ski und Aubrey hatte Skifahren in der High School. An der Lodge trafen wir auf unseren Skilehrer für den Tag. Uros kommt seit 9 Jahren jeden Winter nach Park City, um hier zu unterrichten (und in seiner Arbeitszeit 80 % privat Ski zu fahren, wie wäre es, Livia?).

Ich glaube, es muss ganz schön nerven, so blutige Anfänger wie uns zu unterrichten, wenn man selbst auf den Brettern zuhause ist, seit man 3 Jahre alt ist. Dafür war er sehr nett. Man merkte, dass er Europäer war. Er machte keinen Bogen um Kritik und nannte einen rücksichtlosen Mitabfahrer einen Idioten. Sehr unamerikanisch, ein einsamer Wolf mit viel Ironie bis Zynismus im Wesen :-) Ich hatte den Eindruck, dass er sich freut, mal fast nur Europäer in der Gruppe zu haben.

Wir begannen auf dem „Magic Carpet“, dem Zauberteppich. Da rutscht man einen kleinen Hang hinunter und fährt dann auf einem Rollband wieder hoch. Bloß keine Anstrengung! Nach zwei Malen Rollband durften wir dann mit dem Sessellift noch eine Etage aufsteigen. Auf eine grüne Piste. Dort wurden wir in die Geheimnisse der Gewichtsverlagerung und Kurventechnik eingeweiht. Und ab ging's, runter ins Tal – ein Spaß, der ungefähr eine Minute währte. Dann waren wir bei Auswertung, Kritik, Lob und wieder im Lift. So ging das zwei Stunden bis zur Mittagspause. Mein Essen war natürlich zwei Ebenen tiefer im Spind. Daher musste mir Aubrey 15 Dollar für einen Finkennapf voll Käse-Broccoli-Suppe und eine kleine Flasche Wasser auslegen. Auch Sam stieß zum Essen zu uns, nachdem er geweint hatte, weil er nicht mehr Sikfahren durfte, sondern Mittagessen musste. Ich rief Thomas an und berichtete stolz, dass ich noch nicht hingefallen war. Thomas einziger Kommentar: Du riskierst zu wenig!

Nach der Mittagspause ging es noch 2-3 Mal die grüne Piste hinunter, dann hielt uns Uros für so „unglaublich“ gut, dass wir auf die blaue Piste durften und diese ohne die Abkürzung über die leichte Piste hinunterfahren durften. Jetzt erst kam es auf die richtige Technik an. Die grüne Piste kommt man auch so irgendwie runter. Aber das war schon steiler und noch einige Stunden zuvor hätte ich gesagt, dass ich da nicht hinunterfahre. Aber es war toll. Abfahrtsski sind so viel leichter unter Kontrolle zu halten als Langlaufski. Nach der blauen Piste ging es aber wieder auf die grüne. Man muss es ja beim ersten Mal nicht übertreiben. Aubrey, die am wenigsten trainiert von uns war, brannten die Beine, wenngleich sie technisch nicht weniger sicher war als wir. Zurück auf der grünen Piste, hatte ich so richtig das Kurvengefühl raus und alles fühlte sich ganz natürlich an. Uros meinte, ich sähe jetzt aus wie ein Skirennfahrer (war in Slowenien Skirenntrainer vor seiner Karriere) und mache „niiiiice turns“ (schöne Kurven). Das letzte Mal fuhr ich zusammen mit Denise hoch und dann fuhr ich mal so schnell hinunter wie ich konnte. Unten angekommen, wartete ich kurz auf Denise, die mir gleich mit einem Lachen „Angeber!“ entgegenschleuderte. Schade, dass dieser Sport so teuer ist. Aber Schnäppchenjägerin Denise wusste sofort: In Alta kam man nach 15 Uhr kostenlos fahren. Tja, nun muss ich nur noch irgendwie günstig eine Skiausrüstung bekommen :-)

Am Tag danach in der Loipe hatte ich das Gefühl, es ging alles irgendwie leichter, besser. Obwohl ich sagen muss, dass Langlauf schon weit schwieriger zu erlernen ist und mehr Gleichgewichtssinn von Nöten ist.

Wir fuhren The Meadows und Snowdancer hinunter

Wir fuhren The Meadows und Snowdancer hinunter

Von Vorgarten-Rehen, Loipen-Elchen und Pisten-Renntieren

Zurück im Alltag

Sonntag war dann ein ganz normaler Wintertag bei uns. Frühstück zu dritt. Erst fährt Thomas in Eiseskälte früh trainieren (links: Thomas zugefrorene Trinkblase), während ich mit Karla Spaß habe. Dann essen wir zusammen zu Mittag. Dann fahre ich los, um zu trainieren, während Thomas müder als Karla ist. Dann gemeinsam Kaffee und Kuchen. Dann noch eine gemeinsame Unternehmung, heute Rodeln im Sugarhouse Park, noch was einkaufen. Dann ist der Tag wieder vorbei. Abendbrot: Avocado-Toast und Milch für Karla, nochmal Faxen machen mit Karla, Karla ins Bett bringen, kochen für uns, essen, Thomas arbeitet meist noch, ich schreibe diese Zeilen, gucke nebenbei „Tatort“ und dann geht es ab ins Bett. Gute Nacht!

Loipenkarte von Mountain Dell

Loipenkarte von Mountain Dell

Rodeln im Sugarhouse Park oder: Ein Kind muss tun, was ein Kind tun muss ;-)
Rodeln im Sugarhouse Park oder: Ein Kind muss tun, was ein Kind tun muss ;-)
Rodeln im Sugarhouse Park oder: Ein Kind muss tun, was ein Kind tun muss ;-)
Rodeln im Sugarhouse Park oder: Ein Kind muss tun, was ein Kind tun muss ;-)

Rodeln im Sugarhouse Park oder: Ein Kind muss tun, was ein Kind tun muss ;-)

Karla versucht, Papas Grimassen zu imitieren
Karla versucht, Papas Grimassen zu imitieren

Karla versucht, Papas Grimassen zu imitieren

Freitag, 11. Januar 2013

Unser Reh versinkt im Schnee

Unser Reh versinkt im Schnee

So sehr schneit es seit gestern bei uns, nachdem ein warmer Wind ging und es eigentlich nach Tauwetter aussah! Thomas hat gestern Abend und heute Morgen jeweils eine Stunde Schnee geschaufelt. Die Nachbarn sind mit Schneefräsen im Einsatz. Keith hat sogar unseren Gehweg mitgefräst.

Viele Leute fahren mit Massen an Schnee auf dem Autodach umher, was schon recht gefährlich ist. Wenn das Auto warm wird, schmilzt der Schnee und rutscht beim nächsten Bremsvorgang leicht über die Windschutzscheibe und nimmt meistens nicht nur die Sicht, sondern reißt auch die Scheibenwischer mit heraus.

Die Straßen sind glatt und ohne Allrad ist man schlecht dran! Selbst unser Toyota kam ein bisschen ins Rutschen, als ich Karla heute morgen in die Kita brachte.

Mal sehen, wie viele Zöpfe Karla heute auf dem Kopf hat. Als ich die 6 Zöpfe gestern aufmachte, sah sie so aus:

Unser Reh versinkt im Schnee

Mittwoch, 9. Januar 2013

Beamtenwillkür Teil 2

Beamtenwillkür Teil 2

Nachdem ich am Montag beschlossen hatte, einen sportlichen Ruhetag einzulegen, wollte ich dies nutzen, um nach der Arbeit noch einmal zum Verkehrsamt zu fahren, und einen zweiten Versuch zu starten, meine theoretische Führerscheinprüfung für die Utah Driver’s Licence abzulegen. Zur Erinnerung: Bei meinem ersten Versuch, kam ich am Empfang nicht vorbei, da ich keine zwei Adressnachweise hatte (die anerkannt werden!) und die bissige und besserwisserische Beamtin mir weis machen wollte, dass ich ihr nicht meinen Führerschein, sondern nur eine Übersetzung vorlege. Alles Beteuern, dass das der echte Führerschein ist, auch wenn er nicht im Scheckkartenformat ist, half nichts.

Nun gut, dieses Mal bin ich am Empfang vorbeigekommen. Dort saß dieses Mal aber auch nicht der Drachen, sondern ein netter junger Mann, der meine Unterlagen vorab sichtete. Der fand meinen rosa Lappen auch gar nicht seltsam oder beanstandete ihn. Dann machte er nach dem Kommentar „Perfect!“ ein Foto von mir, scannte meine Unterschrift ein und gab mir eine Nummer.

Ja, ich bin drin! Frohlockte ich, und dass ich ja jetzt wohl nur noch drankommen und 20 von 25 Fragen richtig beantworten müsste. Dachte ich. Der Raum war rappelvoll. Nachdem ich mir ausgerechnet hatte, dass 8 Leute mit ähnlichem Anliegen vor mir dran waren, entspannte ich mich auch langsam. Nach 3 Leuten bzw. 30 Minuten ließ ich meinen Blick müde über die Schalter schweifen…. um dann mit Entsetzen festzustellen, dass hinter Schalter 2 der Drachen saß und offenbar genau Anliegen meiner Art bearbeitete! Ich dachte, das darf doch nicht wahr sein! Es gab noch 2 andere der 12 Schalter, die ausländische Führerscheine bearbeiteten. Kalter Schweiß trat mir auf die Stirn. Ich versuchte, mir anhand der ungefähren Bearbeitungszeiten der 3 Schalter auszurechnen, an welchen ich komme und was ich sage, wenn ich an den Drachen geraten würde. Dieses Mal hatte ich zwar wieder nur meinen Uralt-Führerschein dabei, aber war fest entschlossen, ein Gespräch mit dem Vorgesetzten des Drachen zu fordern, sollte sie wieder behaupten, das sei nicht das Originaldokument. Zwecks 2. Adressnachweis hatte ich mir von unserer Bank Schecks ausstellen lassen, auf denen meine Adresse steht, und mit denen sich auch Thomas Zutritt zur Prüfung verschafft hatte.

Nachdem ich über eine Stunde gewartet hatte, war mir schon völlig egal, an welchen Schalter es gehen sollte. Und tatsächlich sprang die Anzeigetafel gnadenlos auf meine Nummer und Schalter 2 um! Oh nein….

Da saß sie, die selbstgerechte dicke Beamtin mit dem Nagetiergesicht und den chronisch herunterhängenden Mundwinkeln. Kein freundliches „Hello, how are you“ – wie an manch anderem Schalter! Nein, stattdessen fragte sie mich argwöhnisch, ob ich wirklich Nummer 425 sei und nachdem ich das bejahte, wollte sie tatsächlich diese Abreißnummer sehen! Krank, oder?

Jedenfalls habe ich es erst einmal vermieden, zu sagen, dass ich einen deutschen Führerschein habe, aber natürlich fragte sie, ob ich einen Führerschein eines anderen Landes habe. Dann klappte sie ihn skeptisch auf. Ich sah die Überforderung durch das dem Scheckkartenformat so unähnliche Format in ihrem Gesicht aufsteigen. Noch bevor sie ihn wieder in Frage stellen konnte, sagte ich, dass sie sich ja wahrscheinlich erinnern kann, dass ich letztes Jahr schon einmal da war. Gleich bellte sie „Nein, ich kann mich nicht erinnern!“ Jedenfalls klärte ich sie darüber auf, dass sie meinen Führerschein ja nicht akzeptiert hat. Dann „improvisierte“ ich, dass ich bei der ausstellenden Behörde nachgefragt habe und man mir versichert hat, dass dieses Dokument ebenso gültig und akzeptabel sei wie ein internationaler Führerschein. Sie knurrte ein leises „Aha“ und verkündete dann, dass sie in diesem Falle eine Übersetzung brauche. Wir erinnern uns: Beim letzten Mal hieß es von der gleichen Dame, dies sei kein Originaldokument, sondern nur die Übersetzung (weil in mehreren Sprachen „Führerschein“ drauf steht). Mein Einwand, dass ja „Führerschein“ auf Englisch drauf steht, wischte sie mit der sturen Wiederholung beiseite, dass sie eine Übersetzung brauche. Ich sagte: Ich bin zufällig Übersetzerin, aber ich nehme nicht an, dass eine Übersetzung von mir akzeptiert wird, oder? Natürlich muss es eine von ihnen vorgegebene Übersetzerin von ihrer Liste sein. Ob sie mir die Liste geben könnte? Nein, sie dürfe sie nicht ausdrucken! Ja, klar, oder?! Ich solle sie mir aus dem Internet heraussuchen. Wahrscheinlich dachte sie: Immer diese lästigen Menschen am Schalter!

Aber immerhin, bleib ruhig, sagte ich mir. Besorg ich mir halt noch ne Übersetzung für die Übersetzung, damit es auch sie es kapiert. Punkt Nr. 2 war dann noch der 2. Adressnachweis. Nur bestimmte Dokumente kommen dafür in Frage. Ich hatte meinen Mietvertrag dabei und mir, wie gesagt, extra von meiner Bank Schecks ausstellen lassen, auf denen mein Name und meine Adresse stehen. Den könne sie nicht akzeptieren. Auf meinen Einwand, dass der bei meinem Mann auch gereicht habe, meinte sie nur, dass könne ja wohl nicht sein. Und es interessierte sie auch nicht. Stattdessen zückte sie wieder automatisch die Liste der Dokumente, die als Adressnachweis akzeptiert werden. (Ich glaube, das ist gar kein Mensch, sondern ein Roboter.) Ich wehrte sie ab und sagte sehr nachdrücklich, dass ich die Liste auswändig kenne, aber keinen der Nachweise bringen könne, und wenn sie den Scheck nicht akzeptiere, dass ich dann keinen Führerschein machen könne. Daraufhin holte sie ihre Vorgesetzte, die mir noch einmal genau das Gleiche aufsagte. Nein, kein Scheck, es muss ein Kontoauszug sein, der nicht älter als 60 Tage ist und mir postalisch zugestellt wurde. Ich packte meine Sachen, würdigte Dick & Doof keines Blickes mehr und ging, ohne mich umzudrehen. Ein gelungener Tag für alle Beteiligten!

Zuhause suchte ich nach der Liste und schrieb die einzige, zugelassene Übersetzerin für Deutsch in ganz Utah an, in der Hoffnung, dass sie schnell antwortet. Was sie auch tat. Mittlerweile sind wir beim „Du“. Gerlinde aus Österreich, seit über 26 Jahren in den USA, übersetzt seit Jahren für das Verkehrsamt, aber musste noch NIE einen Führerschein übersetzen, sondern immer nur Geburtsurkunden. Sie rief dort an. Nein, man brauche keine Übersetzung für einen ausländischen Führerschein vorzulegen. Ich wollte jedoch kein Risiko eingehen und bat sie um die Übersetzung bzw. um die Beglaubigung meiner Übersetzung. Sie sagte zu, nicht ohne sich umfangreich über den Drachen aufzuregen: „Die spinnt. Das ist reiner Wahnsinn!“

Inzwischen war ich noch mal auf der Bank, in der festen Überzeugung, extra für den Drachen ein Konto eröffnen zu müssen, um einen Kontoauszug zu bekommen, der nicht nur auf Thomas, sondern auch auf mich ausgestellt ist. Und siehe da! Was nicht alles passieren kann, wenn einem jemand auch helfen WILL! Hinter dem Schalter stand ein netter Mann mit offensichtlich afrikanischem Migrationshintergrund und lächelte mich an. Ich erklärte ihm meine Misere und als er mich fragte, warum die Frau so einen Aufstand mache, meinte ich nur, dass ihr wahrscheinlich mein Gesicht nicht gefällt. Daraufhin mussten wir beide herzlich lachen. Wie schön, dass es hinterm Schalter auch noch Menschen gibt. Er meinte zwar, dass er den Hauptkontoinhaber nicht vom Kontoauszug löschen könne, mich aber dazu eintragen lassen könnte. Dann entschuldigte er sich mehrmals sehr überzeugend für das Verhalten des Drachen und meinte, die Dame soll die Bank anrufen, wenn sie mir nicht glaubte. Im Übrigen muss man zum Eröffnen eines Bankkontos keinen Adressnachweis bringen und wir bekommen unsere Kontoauszüge ohnehin elektronisch. Ein ausgedrucktes Dokument würde beim Verkehrsamt aber auch nicht akzeptiert. Wie machen das all die anderen? Mit dem Kontoauszug in der Hand verließ ich triumphierend die Filiale. Ich hoffe, ich werde mich nicht zu früh gefreut haben! Sobald ich meine beglaubigte Übersetzung des Führerscheins habe, werde ich mich erneut auf den Weg zum Amt machen und euch berichten.

Übrigens: Wenn man beim Verkehrsamt seine Adresse ummelden will, muss man einfach nur eine Mail mit der neuen Adresse schreiben und darf dann die Adresse auf dem Führerschein selbst überkleben. Logisch, oder?!

Sonntag, 6. Januar 2013

Früh übt sich...

Früh übt sich...

Karla bekommt ein Dreirad

Nachdem wir nun so günstig einen Helm für unsere kleine Karla erstehen konnten, fuhren wir Freitag Abend noch zu "Kid to Kid", einem Laden für allerlei Gebrauchtwaren für Kinder, von der Socke bis zum Rad. Tatsächlich hatten wir Glück und es gab ein funktionstüchtiges Dreirad für nur 16 Dollar, ein paar Schuhe für den Frühling für 5 Dollar und einige Megablocks, sowas wie Lego, für nur 6 Dollar. Karla wollte gar nicht mehr weg. Wenn wir demnächst etwas brauchen, werden wir sicher dort zuerst schauen.

Bisher hat Karla den Vortrieb bringenden Mechanismus des Dreirades noch nicht gänzlich durchschaut, aber sie lässt sich gern schieben und versucht, selbstständig auf- und abzusteigen. Wenn sie noch etwas größer ist, wird das sicher auch noch einfacher gehen.

Der "Radio Flyer" - ist das nicht ein Prachtstück, wie aus dem Film mit den Bändern dran, oder?! Und sogar mit Kofferraum!

Der "Radio Flyer" - ist das nicht ein Prachtstück, wie aus dem Film mit den Bändern dran, oder?! Und sogar mit Kofferraum!

Früh übt sich...

Little Gym

Gestern Morgen waren wir mit Karla im "Little Gym". Das ist so eine Art Fitnessstudio für Kleine. Kinder bis 19 Monate sind in der "Vögelchen"-Gruppe, die Birdies. 9:45 ging es los mit Karlas Schnupperstunde. Erst gab es ein Eröffnungs- und Vorstellungsliedchen (Twinkle, twinkle, little star, won't you tell us who you are?"). Dann konnten die Kinder den Raum erkunden und die Geräte, Matten usw. ausprobieren. Dann wurde eine Hüpfburg aufgeblasen, während alle, inkl. der Eltern, darauf saßen. Spaß für Groß und Klein. Die Kinder schlugen mit Hilfe der Eltern Purzelbäume und kullerten von dicken Schaumstoffrollen, balancierten auf abgepolsterten Balken, spielten mit Bällen und fingen Seifenblasen. Einige turnten sogar am Reck. Eine Dreiviertelstunde gute Laune, quasi, und nebenbei was für die Koordination und Kondition getan.

Leider hat der Spaß gleich 2 Haken. Es gibt keine optimale Kurszeit für uns und es ist teuer. Wenn wir den Wochenendkurs nehmen, sind alle Wochenenden bis Anfang Juni blockiert. Das heißt, es kann immer nur einer zu Wettkämpfen und der andere muss mit Karla den Foothill hochlaufen, bzw. danach hinunter, wenn sie wahrscheinlich schon müde und hungrig ist und man eigentlich nur schnell nach Hause will. Die einzige Alternative wäre Dienstag Abend um 18:00. Auch da ist Karla meistens schon müde, doch wenn noch einmal was los ist, hält sie meist durch. Daher will Thomas am Dienstag nochmal um eine Probestunde anfragen, um zu sehen, ob es machbar wäre. Dann könnten wir uns auch immer einmal abwechseln oder beide mit ihr hingehen. (Nächsten Dienstag Abend habe ich aber schon etwas vor: Mädel-Filmabend.) Der zweite Punkt sind die Kosten: Man kann zwar ständig in die Kurse einsteigen, muss aber bis zum Ende der Saison bezahlen. Andererseits wäre das eine zusätzliche Möglichkeit für Karla nicht nur aktiv zu werden, sondern auch Englisch zu lernen und auch "amerikanisches Liedgut" aufzuschnappen und "Freunde" zu finden. Für uns natürlich auch. Die meisten Eltern sind in unserem Alter. Junge Eltern, die vielleicht sogar noch in der Ausbildung stehen, können sich das wahrscheinlich eh nicht leisten...

Wir warten mal den Dienstag ab und werden euch berichten. Nicht zuletzt hat es Karla nach anfänglicher Zurückhaltung großen Spaß gemacht!

Karla auf der Jagd nach Seifenblasen
Karla auf der Jagd nach Seifenblasen
Karla auf der Jagd nach Seifenblasen
Karla auf der Jagd nach Seifenblasen

Karla auf der Jagd nach Seifenblasen

Früh übt sich...

Karlas erstes Mal auf Ski

Heute war Karlas erste Einführungsstunde in den Skilanglauf! Nach Thomas' Wettkampf im Rahmen der US-amerikanischen Langlaufmeisterschaften konnte er sich zwar erst einmal stärken, nicht aber ausruhen, sondern musste noch seine Familie bespaßen :-) So fuhren wir am Nachmittag nochmals nach White Pine, wo ich Skating-Ski auslieh, weil ich in letzter Zeit das Gefühl habe, technisch eher Rückschritte zu machen und kaum Kontrolle über den Ski zu haben. Tatsächlich bekamen wir auf Thomas' nachdrückliche Bitte um einen guten Ski einen Top-Ski, den Thomas auch gerne genommen hätte (Neupreis 600 Dollar, Rossignol Xium 2013). Der fuhr auch super, hatte richtig Führung und eine scharfe Kante (überhaupt ne Kante!). Doch daraum geht es hier ja eigentlich nicht.

Thomas zog Karla erst im Chariot hinterher, nachdem diese den ganzen Tag den Mittagsschlaf verweigert und dann im Auto eingeschlafen war, kurz bevor wir ankamen - wie immer. Im Chariot wollte sie dann trotz der 20min Schlaf zuvor auch nicht mehr schlafen, sondern meckerte was das Zeug hielt. Also hielt Thomas mit ihr nach 40min an und begann sein Techniktraining mit Karla, während ich die beiden in Beinarbeit auf der 500m-Runde umkreiste und zusah. Das war total süß. Karla wollte auf Papas Ski mitrennen und war ganz konzentriert bei der Sache! Allerdings befürchte ich, dass das Interesse abebben wird, sobald sie selbst aktiv werden muss und dabei ins Schwitzen kommt. Aber bis dahin ist ja noch Zeit.

Danach war sie dann erst einmal recht entspannt und genoss die Abendsonne im Auto mit Mamas Sonnenbrille... Wir auch - bis das Gemecker losging, weil Karla Hunger hatte. Wir auch! Daher fuhren wir schnell zum Walmart und holten ein fertig gegrilltes Hähnchen (quasi 2 Broiler im Stück) und Salat. Im Bild oben sieht man übrigens Karla und Papa zusammen frühstücken :-) Synchron-Müsliessen!

Früh übt sich...
Früh übt sich...
Früh übt sich...
Früh übt sich...

US Championships in Soldier Hollow

Seitdem ich vor ein paar Monaten gesehen hatte, dass die US-Meisterschaften im Skilanglauf in Soldier Hollow stattfinden würden, spielte ich mit dem Gedanken teilzunehmen. Wann hat man schon mal die Möglichkeit bei einen hochkarätigen Wettkampf auf einer ehemaligen Olympiastrecke als (ambitionierter) Freizeitläufer mitzumachen? Andererseits hatte ich auch sehr großen Respekt, denn um Letzter zu werden, wollte ich den Aufwand auch nicht auf mich nehmen. Also schaute ich in den Ergebnislisten der letzten Jahre und stellte fest, dass sich das Teilnehmerfeld einer nationalen Meisterschaft in den USA von einer in Deutschland doch stark unterscheidet. In Deutschland starten im Erwachsenenbereich ungefähr 10-20 Leute, von denen 75 % Profis sind. Die restlichen 25 % sind Halbprofis. Da hat man immer ein bisschen das Gefühl, man wird komisch angeguckt, wenn man dort startet und eine Leistung bringt, die eben nicht der eines Profis entspricht. Hier starten ca. 200 Leute, darunter Läufer der Weltcup-Teams, aber ganz überwiegend Mitglieder der University Ski Teams.

Hier ist das gesamte System anders aufgebaut. Während in Deutschland vorwiegend staatliche Mittel für die Sportförderung zur Verfügung stehen (Bundeskader sowie indirekte staatliche Mittel durch die Fördergruppen von Bundeswehr, Zoll, Polizei, etc.), sind es hier bereits im Juniorenalter die Colleges und Universities, die einen Großteil der Förderung übernehmen. Universitäten sind in den USA Unternehmen. Man bezahlt hohe Studiengebühren, Wissenschaftler müssen 1/3 ihrer Fördermittel an die Uni abgeben und nicht zuletzt gibt es private Sponsoren aus der Wirtschaft und viele Stiftungen. Es ist auch üblich, dass erfolgreiche und reiche Absolventen Spenden an die Unis überweisen. Also kurz: gute Unis in den USA haben Geld und können über dessen Einsatz selbst entscheiden. Dann kommt hinzu, dass Sport in den USA einen sehr hohen Stellenwert hat. Wer gut Baseball, Basketball oder Football spielt, kommt meist um die Studiengebühren herum. Selbst für „Randsportarten“ wie Skilanglauf werden Stipendien vergeben. So ist es dann möglich, dass sich jede größere Uni einen eigenen Kader an Uni-Sportlern halten kann, die auf hohem Niveau trainieren können. Entsprechend war der Altersdurschnitt bei den US-Meisterschaften auch im Bereich von 20 bis 24.

Ich hoffte also, mich bei den beiden Rennen (15 km Skating Einzelstart und 30 km klassisch Massenstart) irgendwo im Feld (und nicht ganz am Ende) platzieren zu können. Am Freitag über 15 km gelang mir das ganz gut. Es war kalt, aber sonnig und die Strecken waren super präpariert. Mit Platz 103 von 223 Startern war ich sehr zufrieden. Am Sonntag dann merkte ich aber schnell, dass ich mich noch nicht ausreichend erholt hatte, um auf der schweren Strecke ein ähnlich gutes Ergebnis zu erreichen. Als Brauereipferd (zur Erinnerung: Körpergewicht über 200 Pfund) bekam ich an den steilen, langen Anstiegen Probleme und musste nach 2 oder 3 der 6 Runden vom Feld abreißen lassen. Ich hatte mein Auto direkt neben der Strecke geparkt und jedes Mal, wenn ich daran vorbei lief, dachte ich, ich könnte doch auch einfach ins Auto hüpfen und nach Hause fahren. Aber als langjähriger Sportler hat man ein paar Psychotricks auf Lager. Ich sagte mir immer: Okay, noch eine Runde, dann kannst du ja aufhören. So kommst du wenigstens auf 15 km. Dann 20, dann 25 und naja, also die letzte Runde schafft man ja dann auch noch…

Am Ende war ich 67. von 87 gestarteten Teilnehmern. Den Zielsprint um Platz 67 habe ich übrigens gnadenlos für mich entschieden ;-)

 

Foto: John Bridge
Foto: John Bridge

Foto: John Bridge

Freitag, 4. Januar 2013

Die Queen ist enttäuscht von ihrer Ex-Kolonie und fordert sie zurück

A MESSAGE FROM THE QUEEN

To the citizens of the United States of America from Her Sovereign Majesty Queen Elizabeth II

In light of your failure in recent years to nominate competent candidates for President of the USA and thus to govern yourselves, we hereby give notice of the revocation of your independence, effective immediately. (You should look up 'revocation' in the Oxford English Dictionary.)

Her Sovereign Majesty Queen Elizabeth II will resume monarchical duties over all states, commonwealths, and territories (except North Dakota, which she does not fancy).

Your new Prime Minister, David Cameron, will appoint a Governor for America without the need for further elections.

Congress and the Senate will be disbanded. A questionnaire may be circulated next year to determine whether any of you noticed.

To aid in the transition to a British Crown dependency, the following rules are introduced with immediate effect:

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1. The letter 'U' will be reinstated in words such as 'colour,' 'favour,' 'labour' and 'neighbour.' Likewise, you will learn to spell 'doughnut' without skipping half the letters, and the suffix '-ize' will be replaced by the suffix '-ise.' Generally, you will be expected to raise your vocabulary to acceptable levels. (look up 'vocabulary').

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2. Using the same twenty-seven words interspersed with filler noises such as ''like' and 'you know' is an unacceptable and inefficient form of communication. There is no such thing as U.S. English. We will let Microsoft know on your behalf. The Microsoft spell-checker will be adjusted to take into account the reinstated letter 'u'' and the elimination of '-ize.'

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3. July 4th will no longer be celebrated as a holiday.

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4. You will learn to resolve personal issues without using guns, lawyers, or therapists. The fact that you need so many lawyers and therapists shows that you're not quite ready to be independent. Guns should only be used for shooting grouse. If you can't sort things out without suing someone or speaking to a therapist, then you're not ready to shoot grouse.

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5. Therefore, you will no longer be allowed to own or carry anything more dangerous than a vegetable peeler. Although a permit will be required if you wish to carry a vegetable peeler in public.

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6. All intersections will be replaced with roundabouts, and you will start driving on the left side with immediate effect. At the same time, you will go metric with immediate effect and without the benefit of conversion tables. Both roundabouts and metrication will help you understand the British sense of humour.

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7. The former USA will adopt UK prices on petrol (which you have been calling gasoline) of roughly $10/US gallon. Get used to it.

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8. You will learn to make real chips. Those things you call French fries are not real chips, and those things you insist on calling potato chips are properly called crisps. Real chips are thick cut, fried in animal fat, and dressed not with catsup but with vinegar.

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9. The cold, tasteless stuff you insist on calling beer is not actually beer at all. Henceforth, only proper British Bitter will be referred to as beer, and European brews of known and accepted provenance will be referred to as Lager. South African beer is also acceptable, as they are pound for pound the greatest sporting nation on earth and it can only be due to the beer. They are also part of the British Commonwealth - see what it did for them. American brands will be referred to as Near-Frozen Gnat's Urine, so that all can be sold without risk of further confusion.

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10. Hollywood will be required occasionally to cast English actors as good guys. Hollywood will also be required to cast English actors to play English characters. Watching Andie Macdowell attempt English dialect in Four Weddings and a Funeral was an experience akin to having one's ears removed with a cheese grater.

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11. You will cease playing American football. There is only one kind of proper football; you call it soccer. Those of you brave enough will, in time, be allowed to play rugby (which has some similarities to American football, but does not involve stopping for a rest every twenty seconds or wearing full kevlar body armour like a bunch of nancies).

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12. Further, you will stop playing baseball. It is not reasonable to host an event called the World Series for a game which is not played outside of America. Since only 2.1% of you are aware there is a world beyond your borders, your error is understandable. You will learn cricket, and we will let you face the South Africans first to take the sting out of their deliveries.

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13.. You must tell us who killed JFK. It's been driving us mad.

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14. An internal revenue agent (i.e. tax collector) from Her Majesty's Government will be with you shortly to ensure the acquisition of all monies due (backdated to 1776).

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15. Daily Tea Time begins promptly at 4 p.m. with proper cups, with saucers, and never mugs, with high quality biscuits (cookies) and cakes; plus strawberries (with cream) when in season.

God Save the Queen!

PS: Only share this with friends who have a good sense of humour (NOT humor)!

Donnerstag, 3. Januar 2013

Karla lernt Spanisch!

Karla lernt Spanisch!

Ja, ganz recht, Karla scheint sich nicht nur im Englischen weiterzubilden, sondern auch im Spanischen. Das kommt vielleicht auch dadurch, dass ich meinen Widerstand gegen Spanisch aufgegeben habe. Seit ich mich mit ihrer Lieblingserzieherin Gloria auf Spanisch über Karla unterhalte, erfahre ich mehr über Karlas Kindergartenalltag. So beispielsweise, dass Karla nach dem Mittagessen im Hochstuhl mit dem Gesicht auf dem Tablett einschläft, dass sie 1-2 Stunden schläft und wieder gut isst, dass sie Gloria erklärt, dass ihr Teddy der Teddy ist und ihr Teefläschchen Tee enthält. Ich erklärte Gloria dann, dass „Tee“ bei Karla auch Milch bedeutet. Das überraschte sie, denn sie meinte, Karla versteht, wenn sie sie auf Spanisch fragt, ob sie mehr Milch (leche) will. Das überraschte mich wiederum. Wir wissen, dass Karla „Milch“ versteht und sehr genau den Unterschied zwischen Milch und allem anderen Trinkbarem kennt. Zuhause machte ich den Test und fragte sie: Karla, quieres más leche? Erst kam keine Reaktion, aber dann wollte sie unbedingt „Tee, Tee, Tee“ und gierte nach dem Milchfläschchen. So, nun lernt sie also Spanisch. Soll mir ja recht sein, so lange sie auch Englisch lernt! Zu „Bye“ und „bye, bye“ kam nun auch noch ein sehr amerikanisch klingendes „Hiiiiii!“ hinzu, sobald sie das Telefon in die Hände bekommt und sich mit erwartungsvollem Gesicht ans Ohr hält.

Geschichten aus dem Kindergarten

Karla heißt bei ihren Mit-Toddlern offenbar „Teddy“. Als ich Karla heute wie immer gegen 15 Uhr aus dem Kindergarten abholte, waren alle Kinder mit einem späten Nachmittagssnack bestehend aus Dosenobst und Müsliriegel beschäftigt. Karla ließ sich wie immer in bester Position füttern (obwohl sie schon gut mit dem Löffel essen kann, wenn man die mindere Sauerei toleriert), als sie Meiner Gewahr wurde und zwiegespalten aufsprang, um sich dann noch einmal einem letzten Löffel zuzuwenden. Stattdessen kam ein kleines blondes Mädchen auf mich zugerannt, das, so denke ich, Ally heißt. Sie sagte zu mir „Teddy, Teddy?“ und deutete auf Karla. Dann lief sie zu Karla hin und sagte zu ihr auch „Teddy, Teddy!“. Es sah so aus, als wollte sie Karla sagen: Hey, deine Mom ist da, Teddy! Dann kam Karla auch schon auf mich zugerannt. Da sieht man auch: Erst kommt das Essen, dann die Mama ;-) Wenn sie abends nicht sofort ihre „Kaku“ (Avocado) bekommt, wird sie stinkig!

Besonderes Vertrauen scheint Karla zu Gloria gefasst zu haben, die Karla nun auch wirklich Karla und nicht (oder zumindest nicht in meiner Gegenwart) Carlita nennt, ihr Zöpfchen pflicht und sie anderweitig versorgt. Karla geht jedenfalls gern zu ihr, umarmt sie, sobald sie auf ihrem Arm ist, und winkt ihr von Weitem und zum Abschied zu. Manchmal hat sie für mich gar keinen Blick mehr, wenn ich sie abgebe, aber meistens liegt da daran, dass sie schon zum Frühstückstisch oder anderen Kindern hinüberblickt. Ich bin froh, dass es ihr dort so gut gefällt und wir überlegen, ob wir sie nun doch nicht in eine andere Kita geben. Bis Februar müssen wir uns entscheiden und wenn wir uns gegen die andere Kita entscheiden, sind unsere 100 Dollar Anzahlung dort Futsch...

Übrigens wussten mindestens 2 der spanischsprachigen Erzieherinnen nicht, dass man in Deutschland Deutsch spricht. Ich habe allerdings keine Ahnung, welche Sprache sie Deutschland zugedacht haben. Vielleicht Englisch? Weil alle Welt Englisch spricht? Jedenfalls bessere ich jetzt mein Spanisch auf und weiß nun, was „Sie hat einen roten Popo.“ auf Spanisch heißt. Ist ja auch nicht schlecht, hey?!

Karla lernt Spanisch!

Skilaufen

Der Vorteil unserer 0815-“Billig“-Kita ist, dass sie nur wenige Tage geschlossen haben und nicht, wie die meisten teureren „Pre-Schools“ (auch bloß ne Kita), an die Schulferien angeschlossen sind. Dadurch konnte Thomas und ich beispielsweise noch am 24. und 31.12. zusammen Skilaufen, denn an diesen Tagen hatte die Kita bis 12 Uhr geöffnet. (Okay, das ist relativ, wir laufen zusammen los oder Thomas gibt mir Technikunterricht. Aber immerhin, es ist trotzdem etwas Besonderes.) Zu war sie wirklich nur am 25.12. und 1.1. Außerdem können wir jetzt auch in White Pine Skilaufen. Ihr erinnert euch: Das ist das Skigebiet in Park City, ca. 30 Meilen entfernt, wo Thomas seinen ersten Ski-Wettkampf am 22.12. hatte. Das wurde uns durch einen Kollegen von Thomas ermöglicht: John. Um John vorzustellen, bräuchte es eigentlich einen Extra-Blogeintrag, denn er ist eine schillerndere Persönlichkeit. Als geborener Brite ist der 65-Jährige schon seit ca. 25 Jahren in den USA. Sport hat er schon immer gemacht: erst Rugby, dann ist er Alpinski gefahren, dann war er Radfahrer und nun ist er Langläufer. Vor kurzem hat er mit der klassischen Technik begonnen. Liebstes Hobby neben Sport: Reden! Wenn man John auf dem Institutsflur (oder in der Loipe oder am Telefon) trifft, kommt man meist nicht unter einer Stunde davon. Aber: Er hat auch etwas zu erzählen! Okay, manchmal wiederholen sich die Geschichten von Radunfällen und Napoleon, aber was solls. John ist so ein Typ, mit dem man sich über alles unterhalten kann. Gerne erklärt er der Japanerin die japanische Geschichte oder Thomas die Entstehung der englischen Sprache, ohne dabei als Klugscheißer rüberzukommen. Außerdem ist er sehr höflich. Laut Denise ist seine Frau, eine Anwältin „aber ganz normal“. Mit Thomas unterhält er sich meistens 1-2 Sätze über ihr gemeinsames Projekt und dann über Ausdauertraining usw.

Ein Mal waren wir zu dritt in Round Valley Skilaufen. Das heißt, Thomas kam nicht viel zum Trainieren, weil John immerzu anhielt und redete. Mir gereichte meine schlechte Skating-Technik zum Vorteil, denn da ich die gesamte Breite der Loipe brauchte, fuhr John zweimal wegen mir in den Graben, was mir ja auch Leid tat, aber dadurch konnte ich dann wenigstens alleine trainieren.

Vielleicht trug auch meine schlechte Technik dazu bei, dass John uns dann Skipässe für White Pine schenkte. Er fuhr mit seiner Familie über Weihnachten und Neujahr nach Kalifornien und schrieb Thomas folgende E-Mail: „Ob du magst oder nicht: Du bekommst ein Weihnachtsgeschenk von mir. Ich habe für dich und deine Frau einen Saisonpass für White Pine gekauft. Fühle dich zu Nichts verpflichtet. Du brauchst einen Ort zum Trainieren. Ich war auch einmal jung und hatte Familie und kein Geld. Du brauchst mir nicht zu danken. Das hast du bereits mit einem tollen Projekt.“

Da waren wir erst einmal ganz schön baff. Da hat er mal eben 350 Dollar für uns ausgegeben! Am nächsten Tag fuhren wir hin und holten die hinterlegten Pässe mit Karla ab. So konnten wir uns auch die Ausleihe für das Ski-Set am Chariot für Karla leisten. Ohne den Saisonpass hätte uns diese Stunde Skilaufen mit Karla mal eben 52 Dollar gekostet (so nur 16)!

Obwohl wir trotzdem meistens auf dem 15 Minuten entfernten und stets gut und umfangreich gespurtem Golfplatz „Mountain Dell“ trainieren, konnte sich Thomas so auch etwas besser auf die US-amerikanische Langlaufmeisterschaft vorbereiten. Sie ist erstaunlicherweise offen für Jedermann und Thomas hat zwei von fünf Rennen gebucht. Sein erstes Rennen ist Morgen! Am Wochenende waren wir zur Streckenbesichtigung vor Ort in Soldier Hollow. Das ist etwa eine Autostunde von SLC entfernt. Ein Großteil der Olympischen Langlauf-Wettkämpfe fand dort statt, da solche internationalen Wettkämpfe nicht über 1800 m stattfinden dürfen und die meisten Skigebiete, die näher sind, entweder darüber liegen oder technisch nicht anspruchsvoll genug wären. Da war auch Einiges los! Der Altersdurchschnitt der Skiläufer lag so bei 22 Jahren und der unrasierte Thomas stach etwas heraus. Während Karla und ich uns am Kaminfeuer zusammen mit allen anderen Familien und denen, die das Training schon hinter sich hatten, aufwärmten, lief Thomas auf Ski die Strecke ab, um zu erkunden, was ihn Morgen erwartet. Das wird eine 5km-Runde, die er nach Einzelstart drei Mal zu skaten hat. Danach meinte er, wie unsere Kanzlerin so schön nach der Gruppenauslösung zur EM sagte: Machbar! Trotzdem lautet nach seiner Analyse der Konkurrenz das Kampfziel: Nur nicht Letzter werden. Wir sind gespannt auf Morgen: Thomas' Startzeit ist 12:57. Drückt die Daumen!

Karla lernt Spanisch!
Karla lernt Spanisch!

Die nächsten Wochenenden

Am Freitag tritt also Thomas gegen den Rest der Amis an und am Samstag hat Karla ihren ersten Auftritt als Tanzmaus. Wir haben für sie eine kostenlose Probestunde im „Little Gym“, einem „Fitnessstudio“ für Kleinkinder, gebucht. Dort kann sie nach Herzenslust zur Musik im Kreise Gleichgesinnter herumalbern. Mal sehen, wie es ihr gefällt! Am Sonntag wäre dann Thomas' zweiter Wettkampf in Soldier Hollow im Rahmen der US-amerikanischen Langlaufmeisterschaft. Wann ich dann zum Skilaufen komme, weiß ich noch nicht. Aber dafür kann ich ja auch in der Woche nach der Arbeit in Mountain Dell laufen.

Und nächstes Wochenende, am 12.1., werden Denise und ich Thomas und seinen Chef den vier Kindern überlassen und uns auf einen Alpinskikurs für Anfänger begeben. Dieser Tageskurs kostet inklusive Ausrüstung und Liftpass nur 39 Dollar, ist aber auf Anwohner von Utah begrenzt. Das soll man mit seiner Utah-Fahrerlaubnis nachweisen, die ich zwar immernoch nicht besitze, aber ich hoffe, mit Mietvertrag und meiner Adresse auf den Schecks durchzukommen. Bin mal gespannt! Man kann ja nicht hier wohnen und nicht mal Alpinski fahren!

Letztes Wochenende war ich mit Frank und Denise skilaufen, während Thomas nach seinem Training vier Kinder hütete, von denen jedoch 2 zeitweise schliefen (allerdings nicht Karla!). Wir fuhren auf knapp 3000m ins Skigebiet „Solitude“ und einsam (und kalt) war es dort wirklich. Es ist in etwa das einzige Skigebiet, das komplett durch den Wald geht. Da die Strecke zumindest konditionell und für Anfänger auch technisch recht anspruchsvoll ist, kam ich auf meine Kosten. Auch Denise, die selten Ski läuft, war recht flott unterwegs (das machen wohl die Jahre des Fitnesstudios und des Zumbas) und irgendwann hatten wir Frank abgehängt, der danach meinte: Die beiden haben mich fertig gemacht!

Ansonsten werden wir vielleicht auch mal mit Sylvia und ihrem Mann langlaufen. Ich hatte Sylvia vorletztes Wochenende bei Thomas' Skiwettkampf kennengelernt und hatte die Österreicherin mit Karla eine Woche später in ihrem Haus in Park City besucht, während Thomas 1,5h trainierte. Ihr Mann, Michael, ein Amerikaner, ist auch ein Netter, fährt viele Mountainbike-Rennen und hat nun, wie Sylvia, mit Langlauf begonnen, obwohl sie beide sicher auch schon um die 50 Jahre alt sind. Sylvia und Michael haben 2 Söhne, 17 und 20 Jahre alt, die bis vor kurzem professionell Alpinski gefahren sind, nun Trainer sind und selbst Langlauf- und Mountainbike-Rennen fahren. Sylvia selbst will am Wochenende ihr erstes Langlaufrennen in White Pine über 5km in der Anfängerklasse „Novice“ machen. Sie hat übrigens eine interessantes Unternehmen: Sie verwaltet Zweitwohnsitze in Park City. Das heißt, sie schaut nach dem Rechten, hält sie in Ordnung, schaufelt Schnee usw., wenn die Besitzer nicht dort sind, und bevor sie kommen, füllt sie den Kühlschrank nach deren Wünschen oder fährt mal eben 30 Meilen, um deren Lieblingskaffeesorte aufzutreiben, wenn sie dann dort sind. Das heißt, sie ist zwar immer im Einsatz, aber dafür auch flexibel in den täglichen Arbeitszeiten. Früher war sie lange Alpinskilehrerin und hat mir auch angeboten, es mir beizubringen. Mal sehen, wie es sich zeitlich ergibt und wie ich mich am 12. Januar anstelle. Jedenfalls ist sie eine sehr nette Bekanntschaft und nachdem wir ca. 1 Stunde dort waren und Karla mit Keksen abgefüllt wurde und auf dem flauschigen Teppich herumtollen konnte, hatte sie auch schon Vertrauen gefasst. Ich fragte Karla, als sie zu mir kam, ob sie mal zu Sylvia geht und prompt ging sie zu ihr und ließ sich in den Arm nehmen. Sylvia war auch ganz angetan von ihr, glaube ich.

Helmligkeiten

A Propos Laufen und Fahren: Karla hat nun einen Helm. Wir hoffen, bald ein gebrauchtes Dreirad oder Lauflernrad zu erstehen. Sie scheint sehr interessiert an dieser Fortbewegungsmöglichkeit zu sein, wenngleich sie bisher nicht gern einen Helm aufsetzt. So waren wir heute bei unserem Lieblingsoutdoorladen REI, um nach einer Skibrille für Karla zu suchen, da sie beim Rodeln immer so viel Schnee ins Gesicht bekommt, und auch wegen dem die Sonne reflektieren Schnee. Leider gab es keine in ihrer Größe, aber dafür hätte sie am liebsten das Ausstellungsstück des Lauflernrades dort von der Kette gerissen und wäre losgewankt. Daraufhin kauften wir erst einmal besagten Helm, der mit preisgesenkten 18 Dollar auch erstaunlich günstig war. So geht das: Wegen Brille gekommen, mit Helm gegangen. Mit einem Kind passiert nie etwas nach Plan :-)

Vorgestern in der Loipe traf ich auch eine Mutter mit zwei Mädels, 3 und 6, die fleißig langliefen und sprach sie gleich mal an, um herauszufinden, wann sie ihre Kinder zum ersten Mal auf Ski gestellt hat und wo sie die kleinen Ski her hat usw. Ich denke, mit 2 können wir es bei Karla mal wagen. Sie will schon immer in unseren Schuhen laufen und übt buchstäblich bis zum Umfallen. Letztens, hach der Wettkampfstreckenbesichtigung, hielten wir noch in Mountain Dell an, wo ich noch etwas Sport machte, während Thomas mit Karla rodelte. Die Strecken liegen so nah beieinander, dass mich die beiden kurzerhand abpassten und Karla sich auf meine Ski stellte. Wenn das kein Zeichen ist...

Silvester...

… verlief übrigens sehr ruhig. Es gab ein paar Knaller, aber kein Feuerwerk. Wir gingen 22:30, wie immer, ins Bett. Wir und Karla schliefen durch ins neue Jahr. Ihre Asthmamedikamente geben wir ihr nicht mehr, da ihr Husten damit unverändert war und es immer schwerer wurde, ihr die Sprays einzuflößen. Jetzt ist ihr Husten bei weitem nicht mehr so stark wie vor einigen Wochen, aber sie und ich haben eigentlich immer eine laufende Nase. Angeblich ist die Luft hier im Tal auch sehr schlecht, was ich gefühlt bestätigen würde, zumindest was die Trockenheit angeht.

Hoffnung gibt es immerhin für das Neue Jahr, wenn auch nicht im Bereich Finanzen. Der Sturz über die Fiskalklippe ist erfolgt, aber dafür haben wieder ein paar Amerikanker bei der anlässlich Amoklauf vorgezogenen jährlichen Tauschaktion ihre Waffen gegen Gutscheine eingetauscht. Doch lest selbst:

So, irgendwas habe ich bestimmt vergessen, aber nun seid ihr erst einmal wieder auf dem neuesten Stand.

Karla und Papa beim Budenbau

Karla und Papa beim Budenbau