Sonntag, 2. Dezember 2012

Bald nun ist Weihnachtszeit...

Bald nun ist Weihnachtszeit...

Sofort nach Thanksgiving fing es an zu Weihnachten - zumindest, was die Dekoration der Häuser anging. Das muss hier ganz schön stressig sein ab Herbst: Erst das Haus für Halloween ausstaffieren mit Hexen, Grabsteinen, Totenköpfen und Spinnweben. Dann alles wieder ab für die Thanksgiving-Deko, die aber zugegebenermaßen meist recht schlicht ausfiel mit Holzschildchen, Kürbissen, Puppen und Stroh. Aber seit dieser Woche nun sieht man doch einige Hausmänner auf ihren Dächern an Kabeln und Ketten und Lämpchen und Leuchtfiguren herumbasteln. Oder es steht plötzlich der Weihnachtsmann mit Schlitten und Geschenken drauf, bunt beleuchtet auf dem Rasen des Vorgarten. Oder die Dachkante blinkt. Oder aufblasbare Schneemänner winken überlebensgroß im Wind. Auch sieht man bei vielen schon den geschmückten Weihnachtsbaum im Wohnzimmer stehen. Angeblich fliegt der dafür dann auch am 26.12. schon wieder raus.

Wir wollten uns auch nicht lumpen lassen und liebäugelten daher schon seit einigen Wochen mit einem beleuchten Rentier aus dem Baumarkt. Nach einigen Überlegungen und Ideenklau bei den Nachbarn hatten wir auch raus, wie wir die Stromversorgung dafür gewährleisten, ohne ein Kabel durch Tür oder Fenster legen zu müssen, wie es unsere Vermieter wohl immer getan haben. Wir haben einfach einen Adapter für die Außenlampe gekauft. Glühlampe raus, Adapter reinschrauben, an den kommt dann der Rentieranschluss, Lampe wieder rein (wenn man das will). Ganz einfach, wenn man's weiß. ;-)

Dank unseres Weihnachtsaufrufes in einem der letzten Blogbeiträge erreichten uns mit Oma Christine ein Adventskalender, ein Räuchermännchen samt eines stattlichen Kerzenvorrats sowie Opa Werners geheime Plätzchenrezepte. Auch am Rest unserer Weihnachtsdeko haben wir schon eine Weile getüftelt. So waren wir vor 3 Wochen beim Ikea, um uns mit Lichterkette, Kerzen (die kauft jeder beim Ikea, oder?!), Baumschmuck, Weihnachtsstern und Glögg auszustatten. Außerdem war ich schon vor Wochen beim RiteAid, um zu sehen, was es so für Weihnachtskränze für die Tür gibt. Und habe clever gepokert, denn diese Woche, waren die Kränze um 50 % gesenkt, hah! Und! Nach einer nachmittäglichen Radrunde (ja, im Tal kann man immernoch super radeln, während man in den Bergen skifahren kann!) erspähte ich, dass ein paar Straßen weiter Leute offenbar ihre Tannen beschnitten hatten und das unliebsame Grünzeug für die Müllabfuhr auf die Straße gelegt hatten. Als ob der Müllmann dafür extra ausgestiegen wäre und sich die Hände zerkratzt hätte. Anyway, nachdem ich Carlita aus der Kita geholt hatte, machten wir einen Ausflug im Chariot dorthin – zusammen mit Gartenhandschuhen und Baumschere, hihi! Dann noch schnell ein paar Tannenzapfen und rote Beeren aufgeklaubt und fast fertig waren ein Adventskranz und ein grüner Strauß. Das schöne große Glas dazu, hatten uns unsere Vermieter vermacht. Seit heute, dem 1. Advent, ist nun alles komplett aufgestellt und angeschlossen. Jetzt fehlt nur noch der Weihnachtsbaum vom Shop 'n Go an der Ecke! Ihr seht, es weihnachtet sehr! Zur musikalischen Untermalung habe ich mir das DDR-Album heruntergeladen, dass wir in Schallplattenform immer als Kinder zuhause gehört haben, vorzugsweise beim Plätzchenbacken: Bald nun ist Weihnachtszeit. Das war allerdings gar nicht so einfach, denn Amazon möchte nicht, dass im Ausland befindliche Personen in ihrem Tante-mp3-Laden einkaufen. Aber letztlich hat es funktioniert und Karla tanzt eifrig dazu und improvisiert dazu auf dem von Sachses ausgeliehenen Keybord, mit dem auch manchmal der Papa spielt. Die Geschenke sind verschickt (56 Dollar Porto für ein 4kg-Paket!), Karlas Geschenk wartet schon seit geraumer Zeit unter unserem Bett auf seinen großen Auftritt und den Zusammenbau. So viel Heimlichkeit in der Weihnachtszeit!

Bald nun ist Weihnachtszeit...
Bald nun ist Weihnachtszeit...
Bald nun ist Weihnachtszeit...
Bald nun ist Weihnachtszeit...
Bald nun ist Weihnachtszeit...
Bald nun ist Weihnachtszeit...

Gestern Abend waren wir auf dem Christkindlmarkt der Mormonen bei „This is the Place“, wo die Mormonen angeblich zuerst ankommen – gar nicht weit von uns. In der Werbung dazu heißt es:

Inspired by the world famous German Christmas markets, Christkindlmarkt SLC offers a unique holiday shopping and cultural experience this season. Tantalizing food and festive holiday entertainment await you as you stroll through wooden vendor booths nestled amid the magical backdrop of This Is The Place Heritage Park. The St. Martin's Lantern Parade and Christmas Tree Lighting will take place the evening of November 29th, to celebrate our community-wide coat drive for children in need. Christkindlmarkt SLC … experience the old world charm of Christmas...

Da erfährt man, dass nicht nur Asiaten, die man auf dem Originalweihnachtsmarkt bei weitem am häufigsten antrifft, vom deutschen Weihnachtsmärkten begeistert sind, sondern offenbar auch die „Wessis“. Seltsam finde ich, dass man in diesem Atemzug auch gleich eine einzigartige Einkaufserfahrung anpreist. Aber hier ist ja irgendwie alles mit Konsum verbunden. Doch es wurde auch für Bedürftige gesammelt. Dass der St.-Martins-Umzug in Deutschland aber schon vor Wochen stattgefunden hat, weiß hier sicher niemand. ICH wusste allerdings auch nicht, dass man auf deutschen Weihnachtsmärkten Kuhglockenkonzerte spielt und jodelt. Aber man lernt ja nie aus, Hauptsache irgendwie deutsch oder österreichisch – Old Europe ist doch eh alles gleich. Der Charme der „Alten Welt“ ist ja auch inklusive. Ja, die Deutschen, die wissen noch, wie man Weihnachten feiert!

Und die Amerikaner? Sie haben sich wirklich viel Mühe gegeben mit den niedlichen kleinen Hütten, in die eigentlich nur 2 Amerikaner nebeneinander hineinpassen und ihrem Ministollen für 15 Dollar, der „Heidelberg Hot Schokolade“, Omas Suppen und der erstaunlich guten Bratwurst (die gab es dort, wo die längste Menschenschlange stand). Aber was sind denn „Süße deutsche Scones“? Von denen hab ich noch nie gehört. Das waren so Eistütenwaffeln mit Schokolade dran. Man muss jedoch sagen, dass das wichtigste Element des prototypischen Weihnachtsmarktes schlicht und ergreifend gefehlt hat. Und damit meine ich nicht das Zelt, in dem man sich mit dem Weihnachtsmann fotografieren lassen kann, und auch nicht die überaus bunte Kopie eines Weihnachtsbaumes. Nein, ich frage euch: Was ist ein Weihnachtsmarkt ohne, na, genau: Glühwein! Kein Glühwein! Heiße Schoki, EggNogg (sowas wie Eierlikör nur ohne Likör), okay. Aber das einzige, wirklich Heiße dort waren die Feuerstellen... Den einzigen Glühwein weit und breit bekommt man beim schwedischen Importschlager Ikea – und selbst dort, nur weißen. Als wir im Liquor-Store nach EggNogg mit Alkohol fragten, riet uns der Verkäufer, der selbst lieber einen Drink nimmt, der ihn „auf die Bretter schickt“ (O-Ton „that sends me right home, if you know what I mean“ - hm,hm), statt seinem EggNogg den ohne Alkohol im Supermarkt zu kaufen und ihn dann mit Rum oder Wodka zu mischen. Da hätte man mehr von. Ja, das Land der Extreme: die einen trinken nix, die anderen trinken nur Bretterknaller. Für uns Normalos dazwischen ein schwieriger Spagat. Meistens habe ich nach dem Einkaufen keine Zeit mehr, extra in den Liquor-Store zu fahren und eine teure Flasche Wein zu kaufen. Wenn man da reingeht, fühlt man sich eh schon wie ein Suffi und hat automatisch einen geduckten Gang und einen verstohlenen Blick, wenn man mit seiner braunen Tüte unter der offenen Jacke herauskommt. Daher hab ich auch noch weniger Lust, dann mit Karla dorthin zu fahren. Weil man das Kind ja nicht schon in dem Alter an solche Ort bringen und damit zum Laster verführen will. Und außerdem hab ich Angst, die Weinflaschen fallen zu lassen, wenn ich im anderen Arm Karla tragen muss ;-)

Ansonsten verlief unsere Woche eher ruhig. Am Donnerstag waren wir mal wieder Skilaufen in Alta. Gestern war Thomas dann mit 38° erhöhter Temperatur etwas außer Gefecht gesetzt und musste sich nach einem vormittäglichen Spaziergang und Plausch mit unserem Nachbarn Joe, 2 Häuser weiter, erst einmal hinlegen. Heute ging es ihm wieder besser, aber so ganz aufm Damm ist er noch nicht wieder. Unser Nachbar, der jamaikanischer, irischer und deutscher Abstammung ist, trommelt gern auf seiner vorderen Veranda. Außerdem hat er kaum Möbel in seinem Haus, „weil er die Klarheit für seinen Kopf braucht“. Seine Frau, Freundin (?), eine nette, faltige Dame mit Lockenwicklern und Morgenmantel, ist Luxemburgerin, aber schon seit über 15 Jahren in den Staaten („wenn man sich erst einmal dran gewöhnt hat, bleibt man länger“). Als ich dazukam (und Joes Frau noch im Haus war), stellte Joe sogleich mit dieser typisch amerikanischen, offenen Art fest, „Hi, nice to meet you. I am Joe. You are beautiful“. Äh, danke! Und das am Samstagmorgen und ungeschminkt. Ein guter Start in den Tag ;-) Ich glaub, die kriegen dann auch ein paar Plätzchen.

Heute war dann nach mal wieder gemeinsamer Radrunde (Karla war 2h bei Sachses), Plätzchenbacken mit Denise bei uns angesagt. Unser kleines Häuschen und drinnen 8 Leute. Da ging es ganz schön hoch her. Leider hatten wir keinen Glühwein, nur alkoholfreien EggNogg. Wir buken Kokosmakronen und Zimtsterne. Allerdings sind hier die Ausstechformen dermaßen groß (und teuer – hätte ich mal welche beim Ikea gekauft!), dass trotz nach Rezept versprochenen 80 Stück nur 17 herauskamen (hätte ich doch das Familienrezept genommen)! Dabei haben wir den Teig noch nicht einmal so dick ausgerollt, wie im deutschen Rezept vorgeschrieben war. Kurios! Beim Zutateneinkauf musste ich bereits feststellen, dass es hier weder Zitronat, noch geriebene Orangen-/Zitronenschale gibt! (Und natürlich auch kein fertiges Glühweingewürz, obwohl die hier sonst für jeden Sch... fertige Gewürzmischungen haben, die kein Mensch braucht.) Und Nüsse sind, wie bereits erwähnt, elendig teuer. Aber es gab 450g Walnüsse für 5 Dollar im Angebot (statt 10 Dollar) – verständlicherweise war nur noch 1 Packung da. Zuhause klopfte ich sie für die Zimtsterne klein (bis mir einfiel, dass wir einen Mixer dafür haben). Manchmal fühlt man sich doch leicht in die DDR zurückversetzt. Ach, wisst ihr noch, wie wir die Pommes selbstgeschnitzt und die Mandeln nach Übergießen mit heißem Wasser geschält und gehackt haben? Als Leipzigerin konnte Denise sich auch noch daran erinnern...

Jedenfalls werde ich wohl diese Woche nochmal Plätzchen backen und das Zitronat durch getrocknete Cranberries ersetzen. Wer überleben will, muss sich anpassen. Ein Glühweinersatz wird sich auch noch finden und vorhin rief Denise an: Im Shop'n Go gibt es jetzt Weihnachtsbäume!

Leider hate ich meine Kamera vergessen, so dass mein Uralt-Handy herhalten musste
Leider hate ich meine Kamera vergessen, so dass mein Uralt-Handy herhalten musste
Leider hate ich meine Kamera vergessen, so dass mein Uralt-Handy herhalten musste
Leider hate ich meine Kamera vergessen, so dass mein Uralt-Handy herhalten musste
Leider hate ich meine Kamera vergessen, so dass mein Uralt-Handy herhalten musste
Leider hate ich meine Kamera vergessen, so dass mein Uralt-Handy herhalten musste
Leider hate ich meine Kamera vergessen, so dass mein Uralt-Handy herhalten musste
Leider hate ich meine Kamera vergessen, so dass mein Uralt-Handy herhalten musste

Leider hate ich meine Kamera vergessen, so dass mein Uralt-Handy herhalten musste

Donnerstag, 29. November 2012

Karla lernt Englisch!

Karla lernt Englisch!

Heute ist es passiert! Karlas erstes englisches Wort kam ihr über die Lippen! Und das in einer Umgebung, in der ich es überhaupt nicht erwartet hätte: im Kindergarten. Da, wo alle nur Spanisch sprechen und Karla zur Carlita wird. An diesem denkwürdigen Tag, heute, holte ich Karla gegen 15 Uhr ab. Gloria erzählte mir halb Spanisch, halb Englisch noch eine lustige Geschichte aus Karlas Tag (so langsam tauen sie auf da!) und dann zogen wir von dannen. Ich rief "Bye, everybody" und Karla dreht sich auf meinem Arm noch einmal zu Gloria um und winkte und rief "Baaa!" Da war es: Bye! Karlas erstes englisches Wort!

Dass sie schon ein paar englische Wörter versteht, hatten wir schon gemerkt. Unter anderem eben, weil sie anfängt zu winken, sobald jemand "Bye, bye" sagt. Und als Thomas' Mutter hier war, erzählte ich ihr in Karlas Beisein, dass das "Guck, guck - da!"-Spiel, bei dem sich das Kind oder der Erwachsene versteckt und sich dann überraschend wieder zeigt, im Englischen "peek-a-boo" heißt. Und was macht Karla: Sie zeigt uns sofort, dass sie weiß, was das ist: peek-a-boo. Sie hält sich mit ihren kleinen Händen die Augen zu, um sie dann gleich wieder weit von sich zu strecken und uns mit weit aufgerissenen Augen anzustrahlen. Wir haben dann noch ein paar Mal "peek-a-boo" gesagt, um festzustellen, ob das nur ein Zufall war. Doch siehe da, sie tat es immer wieder. Wir nehmen an, dass sie es entweder von Emma oder Claire oder aus dem Kindergarten hat.

Doch nicht nur Gutes kommt aus dem Kindergarten. Karla wird nämlich zur Schlägerbraut. Vor allem, wenn sie müde ist, aber auch so, haut sie gern auf den ein, der sie gerade auf dem Arm hat oder auch auf den Teddy. Unser unermüdliches Ermahnen, dass "man das nicht macht", scheint an ihr abzuprallen. Wir sind gespannt, wie sich das weiter entwickelt. Außerdem fängt sie an, Trotzanfälle zu bekommen. Wenn man ihr den Löffel wegnimmt, mit dem sie übrigens schon alleine essen kann, schreit sie und macht sich ganz steif. Dabei entwickelt sie eine erstaunliche Kraft, so dass man sie kaum halten kann. Wir steuern also unaufhaltsam auf die "Terrible Twos" zu, die Trotzphase, die eigentlich für den Zeitraum zwischen 2 und 3 Jahren vorgesehen ist. Aber wahrscheinlich ist sie genetisch doch etwas mehr vorbelastet, was den Trotz angeht: von beiden Seiten!

P.S. Neulich kam es mir allerdings so vor, als hätte sie auf den Tisch gezeigt und "patatas" gesagt, Spanisch für "Kartoffeln". Aber da da keine waren, habe ich das schnell wieder verworfen. Aber wer weiß...

On the road to Idaho

On the road to Idaho

Montag, 26. November 2012

American Turkey & Fever in Idaho

American Turkey & Fever in Idaho

Die letzte Woche stand ganz im Zeichen von Thanksgiving. Das amerikanische Erntedankfest ist ein Andenken an die gute Ernte im Jahre 1621 und wurde erstmals in Plymouth, Massachusetts, gefeiert. Die ganze Sache ist wohl nicht so gut dokumentiert. Man findet verschiedene Angaben. Eine Version sagt, dass die europäischen Einwanderer damals zusammen mit Indianern feierten, welche ihnen vorher gezeigt hatten, wie man Mais und andere Feldfrüchte anbaut. Wer weiß, ob das stimmt. Auf alle Fälle hielt die Dankbarkeit wohl nicht allzu lange an...

Traditionell gibt es einen großen Truthahn, mehrere Beilagen, darunter Kartoffelbrei und Süßkartoffeln, und als Nachtisch Kürbiskuchen. Wir konnten diesen Schmaus bei Familie Sachse erleben, zu der wir eingeladen waren. Die Kinder (Karla, Bruno, Emma und Claire) hatten auch wieder ihren Spaß.

Thanksgiving ist hier ein (arbeitsfreier!) Feiertag, der ganz im Zeichen der Familie steht. Besinnlich genießt man den Truthahn, um sich anschließend beim nächsten Supermarkt, Klamotten- oder Elektrogeschäft in die Schlange zu stellen. Denn meist gegen 20 Uhr oder später (0 Uhr ist keine Seltenheit) öffnen die Shops und locken mit Supersparangeboten. Je mehr man kauft, desto mehr kann man sparen. Da Thankgsgiving immer am 4. Donnerstag im November stattfindet und die meisten Leute (außer Verkäufer) am Freitag frei haben, wurde der folgende Freitag zum „Black Friday“ erklärt. Black bedeutet in diesem Fall, dass die Geschäfte früher wohl dann so langsam schwarze Zahlen schrieben und daher die Preise reduzieren konnten. Ob das Sinn macht, kann ich nicht beurteilen, aber auf jeden Fall stürzen sich an diesem Tag alle Schnäppchenjäger auf die Schnäppchen. Und weiter geht’s am folgenden Montag, dem „Cyber Monday“, an dem vor allem Amazon und Computergeschäfte die Preise purzeln lassen.

Wir nutzten den Freitag jedoch lieber zum Skilaufen und fuhren nach Alta (Nomen est Omen: 2700 m Höhe). Dort konnte man zwar nur neben einem Lift hin und her hecheln, aber der Schnee und das Wetter waren perfekt.

Am Samstag besuchten wir dann Susannes Großcousine Evelyn und ihren Mann Joe in Idaho. Sie leben dort recht abgeschieden (wie jeder in Idaho) auf einer Ranch mit Pferden, Kühen, Hühnern, und vor allem Ziegen. Karla zeigte jedoch wenig Interesse an all den Tieren. Sie meckerte herum, war müde und grouchy (griesgrämig). Am Abend hatte sie dann über 40 Grad Fieber, so dass die Nacht für uns alles andere als erholsam wurde. Am nächsten Morgen mussten wir gleich zurück fahren, denn wir hatten keine Medikamente dabei. Mit dem Reitunterricht klappt es hoffentlich ein anderes mal.

Nach Thanksgiving folgt natürlich gleich das nächste Fest: Weihnachten. Die meisten Häuser sind schon geschmückt, bald auch unseres. Innen sieht es mit Tannengrün, Weihnachtsstern und Räuchermännchen schon ganz nett aus, aber ein leuchtendes Rentier für den Vorgarten muss unbedingt noch her!

American Turkey & Fever in Idaho
American Turkey & Fever in Idaho
American Turkey & Fever in Idaho
American Turkey & Fever in Idaho
American Turkey & Fever in Idaho
American Turkey & Fever in Idaho
American Turkey & Fever in Idaho
American Turkey & Fever in Idaho
American Turkey & Fever in Idaho

Sightseeing in Salt Lake City

Als Nachtrag zu unserem Besuch von Thomas' Mutti Christine will ich noch einige Impressionen dazugeben, um euch zu zeigen, dass es hier nicht nur Natur zu sehen gibt.

So waren wir beispielsweise mal Downtown, also in der Innenstadt, um uns den Temple Square mit dem Tempel der Mormonen und diverse Besucherzentren anzusehen. Wir begannen die Tour mit einer Außenbesichtigung des Capitols, das auf die Stadt herunterblickt. Wir schlugen uns über einen schlechten Gehweg nach unten zum Mormonentzentrum durch, wo Tempel, die "Joseph Smith"-Mormonen-Gründerstatue und eine vserdrossen dreinblickende Braut uns erwarteten. Letztere weiß wohl, was ihr blüht... Danach waren wir im Tabernakel, wo die Mormonen oder auch LDS (Anhänger der Church of Christ of the Latter-Day Saints) zum Gottesdienst zusammenkommen. Der aktuelle Prophet predigt dann vor einem wechselnden Farbspiel, denn die Decke wird angestrahlt und man kommt sich vor wie in einer Lavalampe. Thomas und ich durften 2010 mal reinlinsen als sie gerade zugange waren. Die Abkürzung LDS ist schon gewöhnungsbedürftig, wenn Leute sagen: I was born LDS. Ich finde, das klingt dann immer wie eine Krankheit. Oder: Are your guys LDS? Nee, ich bin nicht leprakrank, wieso? Ansteckend ist Glauben vielleicht, aber was wir nicht wussten, ist, dass sogar die Einkaufsmeile rund um den himmlischen Platz den Mormonen geweiht ist. Christine, die schon lange ihre deutsche Literatur ausgelesen hatte, und ich stürmten einen riesigen Buchladen. Der Name "Deseret Books" hätte mich jedoch wissen lassen müssen, dass es dort neben dem Buch Mormon nicht viel andere Literatur gibt. Von Uta Danella ganz zu schweigen. Deseret war nämlich laut dem Buch Mormon (quasi der Bibel der Mormonen) das gelobte Land (quasi das Zion der Juden). Ist es ein Zufall, dass sie hier in einer Wüste ankamen, engl. Desert?

Ich erinnerte mich dann, dass ja der Unterwäscheladen Victoria Secrets in die neue Mall einziehen wollte. Aber da die Mormonen etwas gegen Dessous haben, durfte Victoria Secrets weiterziehen. Eine strenge Mormonin darf auch keinen BH auf der Haut tragen, maximal über dem Baumwollunterhemd mit Arm. Strings gehen auch gar nicht. Eher so Baumwollhöschen mit Bein. Jedenfalls fanden wir aber zumindest ein Cafè, in dem es erstaunlicherweise Kaffee gab. Denn Mormonen müssen ihren Körper rein von schlimmen Dingen wie Koffein oder Alkohol halten. Cola und Tiramisu sind aber ok, wenn man ihnen nicht sagt, was drin ist. Cola steht ja auch im Buch Mormon nicht... Logisch, oder?

Am gleichen Nachmittag waren wir noch kurz in Thomas' Institut. Am Abend hat Thomas dann gezeigt, was er so als Sauerteigbäcker drauf hat :-)

The Chuch of Jesus Christ of Latter-Day Saints, kurz LDS oder Mormonen
The Chuch of Jesus Christ of Latter-Day Saints, kurz LDS oder Mormonen
The Chuch of Jesus Christ of Latter-Day Saints, kurz LDS oder Mormonen
The Chuch of Jesus Christ of Latter-Day Saints, kurz LDS oder Mormonen
The Chuch of Jesus Christ of Latter-Day Saints, kurz LDS oder Mormonen

The Chuch of Jesus Christ of Latter-Day Saints, kurz LDS oder Mormonen

American Turkey & Fever in Idaho
American Turkey & Fever in Idaho
American Turkey & Fever in Idaho
American Turkey & Fever in Idaho

Am Großen Salzsee

Dann waren wir noch am Great Salt Lake, über den ich euch ja schon ein wenig ins Bild gesetzt habe. Daher kommen nun nur noch ein paar Impressionen... Und dann war die Mutti Christine auch schon wieder weg - mit nun leeren Koffern (wir haben jetzt ein Räuchermännchen und Karla Klamotten für die nächsten Jahre) und einem einwöchigen Jetlag. Aber uns war es das wert ;-)

American Turkey & Fever in Idaho
American Turkey & Fever in Idaho
American Turkey & Fever in Idaho
American Turkey & Fever in Idaho
American Turkey & Fever in Idaho
American Turkey & Fever in Idaho
American Turkey & Fever in Idaho

Sonntag, 11. November 2012

Endlich richtig Schnee. Besuch aus Deutschland.

Am Donnerstag hatten wir noch fast 20 Grad. Heute Abend (Sonntag) sind leichte Minusgrade und es liegt gut ein halber Meter Schnee. So schnell kanns gehen in Salt Lake City. Allerdings soll der Schnee im Tal auch häufig wieder wegtauen. Salt Lake liegt auf dem selben Breitengrad wie Sizilien. Die Sonne ist daher selbst im November noch sehr warm und die Tage sind im Winter nicht ganz so kurz wie in Mitteleuropa. Wir wohnen auf etwa 1400 m Höhe. Das Stadtzentrum ist auf etwa 1200 bis 1300 m Höhe, die Uni liegt auf 1500 m. Wenn man zu den Skizentren fährt, ist man daher ganz schnell über 2000m. Dort ist es kalt genug, damit der Schnee liegen bleibt. Utah ist eigentlich eine Wüste, aber im Winter und im Frühjahr nimmt die relativ warme Luft im Utah Valley sehr viel Feuchtigkeit auf, steigt durch die Wärme an den Gebirgen hoch und kühlt sich dabei ab. Dies führt zu gelegentlichen massiven Schneefällen in den Skigebieten. Dass das Wasser, aus dem der Schnee besteht, vom Salt Lake kommt, lässt sich sogar am Salzgehalt des Schnees bestimmen. Eine weitere Besonderheit ist die niedrige Luftfeuchtigkeit. Während in Mitteleuropa im Winter selbst bei Sonnenschein nur selten weniger als 60% Luftfeuchte erreicht werden, sind 20-30% Feuchtigkeit hier keine Seltenheit. Dieser Tatsache verdankt Utah den Spruch "Greatest Snow on Earth", also wunderbarer Pulverschnee. Das steht auch auf dem Nummernschild unseres Autos!

Da ich schon am Samstag schlechte Laune hatte, weil ich trotz des Schnees nicht Ski laufen war, konnte ich heute meinem inneren Drang folgen und ließ mich von Susanne auf den Weg nach Park City auf dem Mountain Dell Golf Course absetzen. Der wird normalerweise 2mal täglich gespurt. Naja, heute wohl nicht. Ich absolvierte 2 Stunden Ganzkörpertraining, aber Skilaufen konnte man das nicht nennen, denn in 75cm Pulverschnee ohne Spur und mit einer abgebrochenen Stockspitze ist dynamisches Gleiten nur schwer möglich. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit war heute knapp 6 km/h. Es gibt glaube ich Leute, die so schnell schwimmen können. Trotzdem war ich danach glücklich. An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass Susanne es beim Autofahren nicht leichter hatte. Auch auf den Straßen türmten sich die Schneemassen, so dass der geplante Einkaufsbummel in Park City sich auf den Einkauf des Abendessens beschränkte, weil es 45min dauerte, die 10 Meilen bis Park City zurückzulegen.

Skilaufen im Tiefschnee macht Spaß!
Skilaufen im Tiefschnee macht Spaß!
Skilaufen im Tiefschnee macht Spaß!

Skilaufen im Tiefschnee macht Spaß!

Pünktlich zum Wintereinbruch kam auch unser erster und langersehnter Besuch an: Meine Mutter, also Karlas Oma Christine (:-P) landete am Samstag Nachmittag mit nur wenig Verspätung und samt ihrer Koffer auf dem SLC International Airport. Wir waren natürlich vor Ort, um sie abzuholen. Die Wartezeit vertrieb sich Karla mit genaustem Begutachten der Rolltreppe und Naseplattdrücken am Plexiglas (siehe Foto).

Christine wirkte trotz der langen Reise sehr frisch und wollte natürlich sogleich Karla in ihre Arme schließen. Doch scheinbar konnte sich Karla trotz wöchtentlichen Skypens nicht mehr so genau an Ihre Oma erinnern und fremdelte ein wenig. Aber schon heute wurde es besser!

Wir nutzten des schöne Wetter am Nachmittag, um unseren neuen Schlitten im Sugarhouse Park auszuprobieren. Karla schien relativ unbeeindruckt zu sein, aber wir glauben, im Grunde hat es ihr Spaß gemacht!

Den Rest sollen die Fotos erzählen...

Schneeschaufeln mit der eigenen Schaufel!

Schneeschaufeln mit der eigenen Schaufel!

Warten auf Oma...

Warten auf Oma...

Im Schnee stehen und schön aussehen...
Im Schnee stehen und schön aussehen...
Im Schnee stehen und schön aussehen...

Im Schnee stehen und schön aussehen...

Winterspaß
Winterspaß
Winterspaß
Winterspaß
Winterspaß
Winterspaß
Winterspaß

Winterspaß

Kurioses aus den Staaten: Friseurbesuch

Seit wir hier sind, spiele ich angesichts meiner wuchernden Matte schon länger mit dem Gedanken, einmal zum Friseur zu gehen. Da vorletzte Woche mit der Post ein Gutschein über $7.00 für "Great Clips" kam (adressiert an unseren Vermieter), dachte ich, ich sollte dieses super Sparangebot nutzen und zu Great Clips gehen.

Zugegeben, ich habe schon kurzzeitig darüber nachgedacht, meine Haare wieder wachsen zu lassen, denn erstens hab ich eigentlich nie Lust zum Friseur zu gehen und zweitens hat man hier in den USA wie bei den meisten Dingen die Wahl zwischen erschwinglich und schlecht oder gut, dafür übertrieben teuer.

Aber diesen Samstag konnte ich mich aufraffen und betrat abends, ca. 18 Uhr, den Friseursalon Great Clips. Für einen neuen Haarschnitt muss man übrigens selbst hier in den USA aus dem Auto aussteigen. Ohne Termin kam ich, aber das war auch nicht nötig. Von den 20 Stühlen waren nur 2 besetzt. Auf das obligatorische "How are you doing tonight?" antwortete ich sehr direkt mit "Oh, I need a hair cut and I have a coupon." Daraufhin musste ich (mal wieder) Name, Adresse und Telefonnummer angeben (die 10stellige Nummer braucht man hier so oft, dass man sie nach spätestens einer Woche auswendig kann). Genutzt wird sowas übrigens für das Zuschicken von Gutscheinen. Zudem, wie wir vermuten, zum Verkauf von Telefonnummern an automatische Anrufmaschinen. Man geht ran und hört entweder nix oder es beginnt eine automatische Ansage, bei der man meist nach den ersten 2 Sätzen auflegt. Wäre doch lustig: Eine Unterhaltung zwischen answering machine und calling machine.

But anyway, this is off the point, würde mein Freund, Professor John Bridge sagen. Ich nahm also auf dem Friseurstuhl platz und wurde gefragt, wie es denn werden solle. Des Friseurvokabulars nicht mächtig, antwortete ich mit "Shorter. And thinner on the sides, please." Dann wollte sie noch wissen, wieviel sie abschneiden sollte und los gings. Erst hängte sie mir diesen typischen Friseurmantel um, den sie aber nicht richtig verschloss am Hals. Deshalb sickerte mir das kalte Wasser, das sie mir in die Haare sprühte unter mein T-Shirt, bevor sie es bemerkte und korrigierte. Sehr ungelenk, übervorsichtig und mit ständigen Grimassen (ungefähr so, wie ein Langläufer nach 50km auf der Zielgeraden) begann sie, meine Haarpracht zu stutzen. Der eine Zentimer, den sie abschnitt, war mir etwas zu wenig, deshalb ermunterte ich sie, doch etwas mehr abzuschneiden, was sie auch bei den nächsten 3 Schnitten tat. Danach triftete sie wieder konstant auf die 1cm-Marke zu. Dann wollte sie wissen, ob die Koteletten kürzer werden sollen. Ich sagte ja. Sie nahm darauf die Schere und schnitt über beiden Ohren eine komplette gerade Linie. Das war nicht kürzer, das war weg! Ich musste mir dann wirklich das Lachen verkneifen und dachte nur noch: Ich werde jetzt keine weiteren Verbesserungsvorschläge machen, denn diese Anfängerin kann es nur verschlimmbessern. Beim Abnehmen des Umhangs klatschte sie mir dabei alle Haare aufs T-Shirt und auf die Hose. Sie fragte noch "Is this good?" Ich nickte eifrig und wollte nur noch raus.

Das Fazit: Einmal Great Clips und nie wieder. Und eigentlich sieht's gar nicht so schlimm aus (glaube ich). ;)

Kurioses aus den Staaten: Friseurbesuch

Mittwoch, 7. November 2012

Utah trauert...

Utah trauert...

...wahrscheinlich, weil der Sohn des Bundesstaates das Rennen nicht gemacht hat, aber lieber ohne Mitt als mit Mitt, sag ich da, ha! Tatsächlich hatte Romney in Utah wohl die meisten Stimmen auf sich vereinen können - wenn wundert's? Ich kenne jedenfalls nur Leute, die heilfroh sind, dass Obama noch weitere 4 Jahre an der Weltwirtschaft tüfteln darf. Ob Michelle Obama sich da auch so freut? Ihr armer Barack ist in den letzten 4 Jahren ja schon reichlich heruntergekommen - Nomen est Omen.

Ansonsten hat sich hier nicht viel getan. Ihr merkt, dass ich weniger Zeit habe zu bloggen - denn die Arbeitswelt hat mich halbtags wieder. Allerdings muss ich hinzufügen, dass ich in bisher 4 Arbeitstagen schon knapp 10 Überstunden anhäufen musste. Damit möchte ich auch die ausbleibende Internetpräsenz entschuldigen. Außerdem hat mein Laptopkabel seinen Geist aufgegeben, weshalb ich jetzt nicht mehr beim Schreiben auf der Couch flätzen und auch nicht alle gewünschten Fotos hochladen kann. Ein Ersatzkabel ist auf dem Weg, aber ihr wisst, wie lange das dauern kann!

Letztes Wochenende waren wir in aller Herrgottsfrühe bei einem 15-Kilometer-Crosslauf im Süden des Utah-Tals. Ich kann nur sagen, nach ca. 20 min steil Bergauflaufen war ich total alle und konnte nur noch wandern.... Aber die Landschaft war wahrscheinlich recht schön auf dem Cascadian Trail. Wir trafen sogar einen Bekannten wieder, der auch beim Halbmarathon auf Antelope Island mitgelaufen war. Hier ist die Welt also auch nicht größer :-) Nach 1 schweren Stunde und lockeren 17 Minuten rannte ich an einem am Berghang winkenden Thomas und einer in seinen Armen schlafenden Karla ins Ziel. Da gab es heiße Schokolade und Bagel und ein Bändchen für die gewonnene Altersklasse – immerhin. Ihr seht, ich passe mich an!

Dann zelebrierten wir am Nachmittag noch Brunos 2. Geburtstag. Der Sohn von Thomas' Chef tanzte ausgelassen mit Karla, die bis abends super drauf war. Auch am nächsten Tag, als wir mit der Familie im botanischen Garten waren, wäre sie einfach mit den Kindern mitgegangen, wenn wir sie nicht daran erinnert hätten, dass sie zu uns ins Auto steigen muss. Momentan ist sie recht schreckhaft und anhänglich, aber dort und in der Kita scheint sie sich wohlzufühlen. Allerdings werden wir die Kita trotzdem wechseln, denn Karla bekommt dort kein Wort Englisch mit auf den Weg. Alle Erzieherinnen sprechen muttersprachlich Spanisch und verstehen teilweise nicht einmal Englisch, wie ich feststellen musste. Da frage ich mich echt immer, wie das eigentlich geht? Ok, auf den Ämtern hier ist Spanisch so etwas wie eine 2. Amtssprache, aber ich meine, so im Alltag. Wie geht das? Immer nicken und lächeln und im Zweifelsfall Conzuela ranrufen zum Dolmetschen?

Daher war ich heute bei einer anderen Kinderbetreuung, um dort eine Anzahlung zu machen. Spätestens im Februar bekommen wir dort einen Platz, wahrscheinlich aber schon früher. Ich hoffe, Karla lebt sich dort genauso schnell und gut ein, aber ich denke schon. Jeden Morgen frage ich sie, ob wir dann in den Kindergarten fahren und sie sagt immer schön „Ja“ in so einem beiläufigen, routinierten Tonfall. Dann kommen wir an, ich ziehe ihr Schuhe, Jacke, Mütze aus und schon winkt sie und lässt sich wegtragen. Trotzdem ist es noch immer ein komisches Gefühl, sie erst nach Stunden wiederzusehen. Mittlerweile ist sie fast 6 Stunden täglich dort. Die Eltern unter euch, besonders wahrscheinlich die Muttis, wissen sicher, was ich meine. Ich liefere sie ab, arbeite, mache meine tägliche Dosis Sport und/oder was sonst so anfällt und dann ist die Zeit zwar schnell rum, aber trotzdem habe ich immer das Gefühl, ich lasse sie zu lange dort. Andererseits dürfte ich sie offiziell 10 Stunden dort lassen. Das muss man sich mal überlegen. Da bringt man sein Kind halb schlafend hin und holt es wahrscheinlich fast schlafend wieder ab... Und dann muss man sich auch mal klarmachen, dass man sie jetzt nie wieder so ganz für sich hat, dass man nicht mehr weiß, was sie den ganzen Tag macht. Spiel sie mit anderen Kindern? Was und wie viel isst sie? Wie oft hat sie nach dem Teddy und wie oft nach dem Papa und wie selten nach der Mama verlangt? All das kann man die Erzieherinnen aus mehreren Gründen, die über die Sprachbarrieren hinausreichen, nicht fragen. Dafür weiß ich jetzt wieder, dass Teddy auf Spanisch „osso“ heißt. :-)

Gestern hatte Karla außerdem noch einmal die U6 plus Impfung. Dafür fuhren Thomas, Karla und ich ins Uniklinikum, um einen Termin bei Dr. Carole Stipelman wahrzunehmen. Karla wiegt jetzt 12,2 kg, ist 84,5cm groß und hat einen Kopfumfang von 46,5 cm. Bei den ersten beiden Werten liegt sie weit über der 100%-Perzentile – sie dürfte sogar noch mehr wiegen für ihre Größe! Den kleinen Kopf (50%-Perzentile) hat sie wahrscheinlich von der Mama. Was drin ist, ist aber schon ein eigener Wille!

Die Impfung gegen Mumps, Masern, Röteln, Hepatitis A und die Pneumokokken-Auffrischung hat sie gut vertragen, aber natürlich bei den drei Spritzen geschrien wie am Spieß. Vier Impfungen auf einmal! Ende November bekommt sie noch eine zweite Grippeschutzimpfung. Außerdem muss ich sagen, dass die U6 hier doch etwas gründlicher ausfiel als unsere U6 in Deutschland! Jedenfalls haben wir noch eine Überweisung in eine orthopädische Kinderklinik bekommen, um Karlas Hüfte kontrollieren zu lassen. Die Ärztin hatte übrigens eine tolle Methode, um Karla beim Abhören mit Stethoskop abzulenken und damit ruhig zu stellen. Mit der einen Hand hielt sie das Stethoskop, mit der anderen ließ sie einen Gummiball vor Karla hoch und runter fluppen. Sofort starrte Karla gebannt auf den Ball und war leise. Als sie nach Karlas Erkältung fragte, wollte sie wissen, was aus ihrer Nase kommt. Dafür benutzte sie umgangssprachliches Englisch, das uns noch nicht so geläufig ist, besonders nicht, wenn es um Rotze geht. Latein hätten wir wahrscheinlich eher verstanden. „Snot“ kenne ich ja, aber sie sagte noch irgendwas anderes. Nachdem wir sie nicht verstanden, umschrieb sie es mit Händen, Füßen und Wörtern und bei „green stuff coming out of her nose“ verstanden wir sie endlich. Sie lachte erleichtert und meinte, dass das eine viel angemessenere Unterhaltung sei, als die, die sie gestern führen musste. Da war eine afrikanische Frau mit ihrem Kind bei ihr, deren Dolmetscher nicht gekommen war, und es ging um Durchfall!

Jedenfalls sind Karlas Ohren in Ordnung, aber sie hat eine akute Sinusitis, die wir erneut mit einem Antibiotikum behandeln können, wenn wir wollen. Da sei uns überlassen. Das Rezept dafür wird sofort online an die Wunschapotheke übermittelt und auch die Orthopädieklinik wird vorab per Fax über unseren Besuch informiert, noch bevor wir einen Termin haben. Entgegen der Information, dass man bei jedem Arztbesuch 25 Dollar zahlt, haben wir wieder gar nichts bezahlt, nicht einmal Parkgebühren. Das liegt vielleicht daran, dass es die Uniklinik war und Thomas Uniangestellter ist.

Ansonsten kann ich noch berichten, dass ich meine SSN bereits nach einer Woche erhalten habe. Thomas scheint immer irgendwie Pech mit Bearbeitungszeiten und Koffern zu haben, der Arme! ;-)

Halloween war übrigens auch recht ereignislos. Kein Kind kam vorbei, wahrscheinlich weil es auf unserer Straße keine Beleuchtung gibt. Und Karla war an dem Tag so weinerlich drauf, dass an Trick or Treat! gar nicht zu denken war. Jedenfalls haben die meisten Haushalte ihre Halloween-Deko gleich wieder entfernt. Manche haben sie gleich durch Weihnachtsdeko ersetzt. A propos Weihnachtsdeko! Wer spendet einen Schwibbbogen mit 3 b für weihnachtsdekolose Auswärtige? Oder einen Adventskalender? Oder a Rachermännl? Oder Räucherkerzen? Oder Baumbehang? Denn das alles wird uns hier sehr fehlen. Mir jedenfalls. Mir der Schwibbbogen, Thomas das Räuchermännchen...

Aber denken wir noch nicht an Weihnachten, sondern freuen uns aber erst einmal auf das Wochenende! Denn da kommt Oma Christine aus Deutschland für eine Woche herübergejettet! Hoffentlich lässt der Zoll sie mit all den Dingen auf unserer Wunschliste von Akku bis Zimt durch!

Wir werden zu berichten wissen!

Utah trauert...